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Kölner Jahrhunderthochwasser in den 90er-Jahren: Die Chronologie einer Katastrophe

Es war Heiligabend 1993, der für viele Kölnerinnen und Kölner zum schlimmsten Tag des Jahres werden sollte: Das so genannte Weihnachtshochwasser in Köln erreichte an diesem 24. Dezember seinen Höhepunkt. Die Altstadt, Rodenkirchen und Teile der Südstadt waren überflutet. Der Pegel stieg auf bis zu 10,63 Meter.

Mehrmals war in den 70er und 80er-Jahren der Pegel des Rheins über die 9-Meter-Marke geklettert und hatte die Altstadt überflutet. Einen Pegelstand von über 10 Metern aber hatte es seit 1948 nicht mehr gegeben.

Wir haben hier 6 Fakten zu beiden Hochwassern der 90er-Jahre aufgezählt, und welche Auswirkungen sie auf den heutigen Hochwasserschutz für Köln haben.

(Hier findest du Informationen zur aktuellen Lage in Köln: Extreme Regenmengen, Feuerwehr löst Gesamtalarm aus, Hochwasser erwartet)

So sah es damals in der Kölner Altstadt aus. Rechts im Hintergrund sieht man die Deutzer Brücke. Bis weit hinter die Schiffsanleger waren die Häuser nur über Stege erreichbar. Foto: Michael Pfeifer
Schwer vorstellbar: So sah es 1993 am Hauptbahnhof beim Hochwasser aus. Das Gebäude rechts ist das alte Ämtergebäude der Deutschen Bahn, das mittlerweile aberissen ist. Foto: Manfred Häckler

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Der Auslöser des Hochwassers 1993

Auslöser für das Hochwasser 1993 waren ausgiebige Niederschläge. In den Tagen zuvor fiel doppelt so viel Niederschlag, wie sonst im gesamten Monat Dezember.

In der Altstadt fiel der Strom aus. Es gab keine Heizung. An Heiligabend saßen die Menschen in ihren kalten Wohnungen ohne Licht. An mehreren Stellen der Altstadt (z.B. im Haxenhaus) sind heute noch Markierungen zu sehen: Sie zeigen, wie hoch das Wasser damals stand.

Schlechterer Hochwasserschutz als heute

Der Hochwasserschutz war zu dieser Zeit längst nicht so weit ausgebaut, wie heute. Im Gegenteil: Viele Aspekte, wie etwa eine rechtzeitige Warnung für die Kölner, gab es nur unzureichend. Ebenso wenig auf koordinierte Hochwasserzentrale.

Die Spundwände am Rheinufer hielten im Bereich der Altstadt damals einem Pegel von 10 Metern stand. Es reichte nicht aus. Allein in Köln waren insgesamt 100.000 Menschen vom Hochwasser betroffen.

Das rechtsrheinische Köln war damals bis zu einem Pegel von 11 Metern geschützt und entsprechend weniger betroffen.

Rekordpegel nur 14 Monate später

Nur knapp 14 Monate später ereignete sich das nächste einschneidende Rhein-Hochwasser: Im Januar 1995 gab es eine Periode mit ausgiebigen Niederschlägen im Bereich von Main und Mosel.

Innerhalb weniger Tage fiel mehr als die doppelte Menge Niederschlag, als sonst im ganzen Januar. Dazu kam einsetzendes Tauwetter, dass die damals dicke Schneedecke in den Mittelgebirgen schmelzen ließ.

Am 30.01.1995 wurde in Köln ein Pegel von 10 Metern und 69 gemessen. Das waren 6 Zentimeter mehr als beim Weihnachtshochwasser 1993 zuvor.

Der Blick aus der Altstadt Richtung Deutzer Brücke, im Hintergrund sieht man das Dorint Hotel. Foto: Michael Pfeifer

1995 geringere Schäden als 1993

Die Altstadt stand abermals unter Wasser. Die Schäden fielen dennoch geringer aus. Nach dem Weihnachtshochwasser 1993 wurden bereits diverse neue Maßnahmen umgesetzt, die den KölnerInnen nun zugute kamen.

Der Schaden in Köln lag bei 65 Millionen Mark. Beim Hochwasser 1993 war es doppelt so viel. 4000 Menschen waren direkt betroffen.

Neues Schutzkonzept für über 400 Millionen Euro

Beide Hochwasser-Ereignisse waren Anlass, um das Schutzkonzept für Köln komplett zu überarbeiten. Für rund 400 Millionen wurde auf einer Länge von 60 Kilometern der Hochwasserschutz in den Jahren danach komplett neu aufgesetzt.

Die Kölner Altstadt ist mittlerweile bis zu einer Marke von 11,30 Metern geschützt (Teile der Altstadt wären dann fast zwei Meter hoch überflutet). Es gibt einen Aktionsplan mit vielen einzelnen Maßnahmen.

So sehen die mobilen Schutzwände aus, die bei Bedarf am Rheinufer u.a. vor der Altstadt aufgebaut werden können und bis zu einem Pegel von 11,30 Metern schützen. Foto: © 1971markus@wikipedia.de / Cc-by-sa-4.0

Am Rhein können mittlerweile rund 11 Kilometer mobile Hochwasserschutzwände montiert werden. Die ersten Maßnahmen greifen bereits ab einem Pegel von 4,5 Metern. Einmal pro Jahr findet eine Übung statt.

Erinnerungen von Kölnern die dabei waren

Wir haben in unserer Facebook-Gruppe gefragt, welche Erinnerungen die Mitglieder an die Hochwasser 1993 und 1995 haben. Hier ist eine Auswahl der Antworten.

Über Hilfe für die Helfer schreibt Elke:

„Mein Bruder hat damals mit der freiwilligen Feuerwehr volkhoven/Weiler in der Altstadt gestanden, und meine mutter und ich, haben hunderte Brötchen geschmiert, Kaffee gekocht, und Suppe gemacht, und sind in die Altstadt gefahren, und haben die Jungs versorgt.“

Diese Erinnerung an die Flut in Rodenkirchen hat Petra:

„Wir waren in Rodenkirchen am damaligen Lüchbaum und gesehen, wie der Rhein so langsam über die Schutzmauer schwappte.“

Diese Anekdote in der Altstadt hat Ralf als Feuerwehrmann erlebt:

„Habe als Feuerwehrmann der Löschgruppe Esch u.a. am Stapelhaus gearbeitet. Wir haben dat Dingen ausgepumpt. Während der Arbeit tippt mir ständig einer auf meine Schulter. Ich genervt: “Verdammp, wat es dann jitz allt widder?” Da stand unser Oberbürgermeister Norbert Burger hinter mir und meinte: “Jung, ich wullt ens froge wie et Dir jeit?” Wir mussten beide lachen.

Neben vielen Schaulustigen und Gaffern auf den Stegen in der Altstadt gab es auch Leute, die beim Hochwasser ein Geschäft witterten, wie Micha schreibt:

„Ich kann mich dran erinnern das bei dem ersten Mal gesehen hab,das irgendeiner “Hochwasser ” in Flaschen auf der Brücke verkauft hat.“

Die Kölner Stadtentwässerungbetriebe haben in dieser Broschüre zusammengestellt, was Bewohner von gefährdeten Gebieten in Köln beachten müssen stellen mittlerweile ausführliche Informationen zum Hochwasserschutz in Köln bereit.

Welche Erinnerung habt ihr ans Hochwasser 1993 oder 1995? Schreibt es uns per E-Mail.

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Kommentar

Hier kannst du einen Kommentar schreiben

  • 1993 und 1995 diese Jahre vergesse ich niemals . Ich war an beiden Jahren Mitglied bei der DLRG in Poll und bei Hochwasser bei der Evakuierung dabei