Diesen Schnurrbart und diesen Satz kannten Millionen Menschen: „Wir haben da mal was vorbereitet.“ Jean Pütz erklärte im Fernsehen, wie man Waschmittel selbst herstellen kann, wie Naturwissenschaft funktioniert oder warum sich manches Alltagsproblem mit ein bisschen Tüftelei lösen lässt. (Foto: IMAGO / Panama Pictures)
Am 21. September 2026 wird der gebürtige Kölner 90 Jahre alt. Über Jahrzehnte gehörte er zu den bekanntesten Gesichtern des WDR – und schuf mit der „Hobbythek“ eine Fernsehsendung, die heute ein Stück deutscher TV-Geschichte ist. Dabei begann seine Fernsehkarriere eher ungewöhnlich.
Jean Pütz wurde 1936 in Köln geboren
Jean Pütz wurde am 21. September 1936 in Köln geboren. Seine familiären Wurzeln führen auch nach Luxemburg: Seine Mutter war Luxemburgerin, sein Vater Deutscher.
Nach seiner Ausbildung an der Handwerkerschule in Luxemburg beschäftigte sich Pütz intensiv mit Naturwissenschaft und Technik. Später studierte er unter anderem in Köln. Mathematik, Physik und Technik bestimmten seinen beruflichen Weg – zunächst allerdings noch nicht vor der Kamera.
Dass er schließlich beim WDR landete, hatte auch mit einer Skatrunde zu tun.
Eine Skatrunde bringt Jean Pütz zum WDR
Anfang der 1970er-Jahre spielte Pütz regelmäßig Skat mit den WDR-Moderatoren Carmen Thomas und Klaus-Jürgen Haller. Zu dieser Zeit plante der WDR den Aufbau einer naturwissenschaftlichen Redaktion.
Haller öffnete seinem Mitspieler die Tür zum Sender. Dort zeigte sich schnell, was später zu Pütz‘ Markenzeichen werden sollte: Er konnte komplizierte technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge so erklären, dass Menschen ohne Fachwissen sie verstanden. Pütz wurde Redakteur beim WDR und half dabei, die neue naturwissenschaftliche Redaktion aufzubauen. Wenig später entstand die Sendung, mit der sein Name bis heute verbunden ist.
1974 läuft die erste „Hobbythek“
Am 22. Dezember 1974 wurde die erste Ausgabe der „Hobbythek“ im WDR Fernsehen ausgestrahlt. Das Konzept war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Wissenschaft und Technik wurden im Fernsehen bis dahin häufig in klassischen Bildungsformaten vermittelt. Pütz machte daraus Unterhaltung für ein großes Publikum.
Es ging ums Basteln, Tüfteln und Selbermachen. Die Zuschauer lernten beispielsweise, wie man Brot backt, Pilze züchtet, Kosmetik herstellt oder Waschmittel zusammenmischt. Wissenschaft sollte nicht abstrakt bleiben. Man sollte sie ausprobieren können.
Plötzlich machten die Menschen Waschmittel und Kosmetik selbst
Genau das wurde zum Erfolgsrezept der „Hobbythek“. Jean Pütz entwickelte unter anderem einen Waschmittel-Baukasten, beschäftigte sich mit selbst gemachten Cremes und Seifen, Ernährung, Süßstoffen und Trinkwasser.
Manches, was heute in unzähligen YouTube-Videos, Blogs oder Instagram-Reels erklärt wird, brachte Pütz schon Jahrzehnte zuvor ins Fernsehen: eine Frage aus dem Alltag nehmen, verständlich erklären und anschließend zeigen, wie man es selbst machen kann.
Auch kontroverse oder vermeintlich unangenehme Themen ließ er nicht aus. Die „Hobbythek“ beschäftigte sich beispielsweise ausführlich mit Verdauung und Darmgesundheit – lange bevor solche Themen selbstverständlich öffentlich besprochen wurden.
345 Folgen „Hobbythek“
Die Sendung entwickelte sich zu einem der bekanntesten WDR-Formate. Von 1974 bis 2004 entstanden insgesamt 345 Ausgaben der „Hobbythek“. Dazu kamen zahlreiche Bücher und die sogenannten „Hobbytipps“, in denen Zuschauer die Anleitungen aus den Sendungen nachlesen konnten.
Bei besonders beliebten Themen wurden davon nach Angaben des WDR bis zu 150.000 Exemplare angefordert. Rund 80 Fachbücher veröffentlichte Pütz im Laufe seiner Karriere, ihre Gesamtauflage lag bei mehreren Millionen Exemplaren. Und natürlich gab es diesen einen Satz.
„Wir haben da mal was vorbereitet“
„Wir haben da mal was vorbereitet“ wurde zu einem der bekanntesten Sätze von Jean Pütz. Meist stand dann bereits irgendeine Mischung, Konstruktion oder Versuchsanordnung bereit, mit der Pütz erklären konnte, worum es ging.
Die Kombination aus Schnurrbart, rheinischem Tonfall, Experimenten und manchmal etwas eigenwilligen Themen machte ihn zu einer der markantesten Figuren des deutschen Fernsehens.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Auch bei „Findet Nemo“ war Jean Pütz dabei
Selbst Menschen, die die „Hobbythek“ nicht mehr gesehen haben, könnten Jean Pütz gehört haben. 2003 lieh er im Pixar-Film „Findet Nemo“ dem Lehrer Herr Rochen seine deutsche Stimme. Die Besetzung spielte augenzwinkernd mit seinem Image als Erklärer und Lehrer.
2001 war Pütz beim WDR offiziell in den Ruhestand gegangen. Von der Öffentlichkeit verabschiedete er sich damit allerdings keineswegs. Auch in den folgenden Jahren trat er immer wieder bei Veranstaltungen und mit eigenen Programmen auf.
Mit 90 wieder eine Wohnung mit Blick auf den Kölner Dom
Und auch Köln spielt im Leben von Jean Pütz weiterhin eine Rolle. Seit einigen Monaten besitzt er wieder eine Wohnung in der Stadt. Von der Terrasse hat er einen besonderen Blick: auf den Kölner Dom, den Rhein und die Hohenzollernbrücke. Daneben lebt Pütz weiterhin auf seinem Anwesen außerhalb Kölns, das er selbst „Pützerosa-Ranch“ nennt.
Der WDR widmet Jean Pütz eine eigene Sendung
Zum 90. Geburtstag erinnert auch der WDR an Jean Pütz. Am Montagabend, 21. September 2026, zeigt der Sender um 23.15 Uhr die einstündige Sendung „WDR Geschichte(n) – Jean Pütz“. Grundlage ist unter anderem ein längeres Gespräch, das im Sommer 2026 mit ihm geführt wurde.
Auch ONE holt aus diesem Anlass die Anfänge der „Hobbythek“ noch einmal ins Fernsehen und zeigt die allererste Ausgabe der Sendung aus dem Jahr 1974.
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1 Kommentar
Michael Rsdke
Jean Pütz – ein Aushängeschild für Köln. Populär, wissenschaftlich fundiert und mit der Fähigkeit ausgestattet, auch komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären. Bis ins hohe Alter gesellschaftlich und politisch aktiv. Ein Vorbild!
Großen Dank und vollste Anerkennung für diesen veritablen Kölner Bürger..
Dank und Anerkennung für seine Lebensleistung
😘