Am so genannten „Speedway :terra nova“ bei Elsdorf hat der Leitungsbau für die neue Rheinpipeline im Mai begonnen. Die ersten Stahlrohre sind verschweißt und wurden vor rund 8 Wochen in den Leitungsgraben gehoben.
Für Menschen aus Köln und der Region ist das Projekt relevant, weil es die künftige Wasserführung im Rheinischen Revier mitprägt – und weil es über Jahre Auswirkungen auf Freizeitwege und Landschaftsräume westlich von Köln hat – viele blicken jedoch auch skeptisch auf das Mega-Vorhaben, vor allem mit Blick auf die niedrigen Pegelstände des Rheins. (Foto: RWE)
Nach Angaben von Bauherr RWE werden dafür rund 10.000 Leitungsrohre verlegt und verschweißt. Sie gehören zur rund 45 Kilometer langen Rheinpipeline, mit der künftig Wasser aus dem Rhein in Richtung der Tagebauregion transportiert werden soll.
Ein Mega-Projekt, das auch auf viel Kritik stößt.
Der Startschuss für den Bau erfolgte im Frühjahr 2026. Entlang des Leitungsgrabens werden derzeit mehrere Rohrstränge vorbereitet. Dafür werden jeweils drei Stahlrohre miteinander verschweißt. Jedes Rohr hat einen Durchmesser von 2,20 Metern.
Anschließend wird der Graben abschnittsweise wieder verfüllt. Im Bereich des Speedways entstehen zwei parallel verlaufende Stahlrohrleitungen. Der Abschnitt dort ist rund 6,5 Kilometer lang.
Auch wenn die Baustelle bei Elsdorf liegt, reicht die Bedeutung des Projekts über den unmittelbaren Bauort hinaus. Westlich von Köln wird einer der größten Seen Deutschlands entstehen. Das Wasser dafür soll über Jahrzehnte aus dem Rhein kommen.
Ziel ist es, die Pipeline bis 2030 fertigzustellen. Der Zeitplan ist ambitioniert – zumal der Kohleausstieg im Tagebau Hambach auf Ende 2029 vorgezogen wurde.
Wo verläuft die Rhein-Pipeline?
Die sogenannte Rheinwassertransportleitung beginnt bei Dormagen-Rheinfeld, etwa 20 Kilometer nördlich von Köln. Dort wird ein großes Entnahmebauwerk am Rhein errichtet, das künftig Wasser aus dem Fluss abschöpfen soll – bis zu 18.000 Liter pro Sekunde. Das sind über 100 Badewannen.
Über mehrere riesige Stahlrohre mit einem Durchmesser von 2,20 Metern fließt das Wasser zunächst rund 25 Kilometer weit bis nach Allrath (bei Grevenbroich). Dort wird es in zwei Richtungen verteilt: Eine Leitung führt weiter Richtung Tagebau Garzweiler, die andere nach Süden in Richtung Hambach.
Die sogenannte Hambach-Leitung ist rund 18 Kilometer lang und verläuft größtenteils unterirdisch – unter Feldern, Straßen und teils durch Landschaftsschutzgebiete. Sie endet am Rand des Tagebaus, wo ein Auslaufbauwerk das Wasser in das Restloch einleitet.
Gebaut werden sollen außerdem mehrere Pumpstationen, ein Verteilerbauwerk sowie Kontroll- und Wartungsschächte entlang der Trasse. Die Rohre selbst kommen per Schiff und Bahn in die Region – pro Stück rund 15 Tonnen schwer.
Die eigentliche Befüllung des Hambacher Sees wird Jahrzehnte dauern. Je nach Wetter, Rheinpegel und technischer Umsetzung rechnen Fachleute mit rund 40 Jahren, also bis etwa 2070. Danach soll die Leitung noch mehrere Jahrzehnte in Betrieb bleiben, um Verdunstungsverluste auszugleichen und den Grundwasserhaushalt zu stabilisieren.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Frühestens gegen Ende des Jahrhunderts könnte die Leitung zurückgebaut werden – oder dauerhaft weiterbetrieben, je nach Entwicklung.
Rheinwassertransportleitung: Umweltaspekte und Kritik
So gewaltig das Projekt ist – so groß sind auch die Diskussionen. Die Leitung bringt zweifellos Chancen: Sie hilft, die riesige Grube in einen nutzbaren See zu verwandeln, unterstützt den Wiederanstieg des Grundwassers und bewahrt bedrohte Feuchtgebiete vor dem Austrocknen. Doch Umweltverbände sehen auch Risiken.
Ein zentrales Thema ist die Wasserqualität. Der Rhein führt – trotz verbesserter Wasserreinhaltung – noch immer Spurenstoffe, Medikamentenrückstände und Mikroplastik mit sich. Wird dieses Wasser ungefiltert in den künftigen See eingeleitet, könnten sich diese Stoffe im Boden ablagern oder ins Grundwasser übergehen.
Vor allem die Lage der Entnahmestelle – direkt unterhalb des Chemparks Dormagen – sorgt für Kritik: Dort gelangen auch gereinigte Abwässer in den Fluss.
RWE betont, dass alle relevanten Wasserwerte geprüft wurden und keine Gefahr für Mensch oder Umwelt besteht. Umweltverbände wie der BUND fordern dennoch ein autonomes Monitoring direkt an der Entnahmestelle – sowie gegebenenfalls eine Filterung oder alternative Standorte.
Auch die Langfristfolgen sind umstritten: Was passiert, wenn die Leitung nach 2100 weiter nötig ist? Wer übernimmt dann Verantwortung und Kosten?
Und wie will man Wasser aus dem Rhein entnehmen, wenn der Fluss ohnehin wenig Wasser hat? Die Menge der Entnahme richtet sich nach dem Pegelstand. Wenn der Pegel niedrig ist, kann kein Wasser entnommen werden. Wenn er hoch ist, kann entsprechend mehr Wasser entnommen werden.
Eine Jahrhundertfrage für das Revier
Eines ist klar: Die Rheinwassertransportleitung ist eines der größten Infrastrukturprojekte in NRW seit Jahrzehnten. Sie verbindet Industriegeschichte mit Zukunftsvision, Ökologie mit Technik. Doch welche Überraschungen und Unwägbarkeiten uns hier noch erwarten, vermag noch niemand abzusehen.




1 Kommentar
Markus Schiller
Wie auch immer man kann die Entscheidung leider nicht rückgängig machen. Wie es scheint haben Sachverständige wohl mit nicht so sehr viel Sachverstand eine interessante Entscheidung vorangetrieben. Warum bitte kann man nicht warten bis das Loch sich langsam selber füllt. Nicht das der Mensch über Jahrhunderte hinweg eine gewisse Fähigkeit entwickelt hat Ökosysteme zu zerstören nur hat er auch nichts daraus gelernt. Wollen wir hoffen das sie nur bei Hochwasser das Wasser aus dem Rhein entnehmen.