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Heinrich Böll Platz

Heinrich Böll Platz: Stadt Köln zahlt seit über 20 Jahren für Bewachung

Provisorien haben in Köln ja Tradition. Der Dom war hunderte Jahre eine Baustelle. Der Holzkran stand rund 500 (!!) Jahre bis 1868 auf dem Südturm, war das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Beispiele gibt es dafür aber auch in der jüngere Vergangenheit: Der Musical Dome hinter dem Hauptbahnhof sollte 1996 eigentlich nur kurze Zeit hier stehen. Mittlerweile sind es über 25 Jahre.

Nur ein paar Meter weiter ist der Heinrich Böll Platz: Wer vom Rheinufer den Weltjugendtagsweg hinauf zum Dom geht, kommt hier entlang. Seit 1999 ist der Platz immer dann abgesperrt, wenn unten in der Philharmonie Proben oder Konzerte stattfinden. Mehrere Bewacher stehen dann dort und sorgen dafür, dass niemand den Platz betritt. Außerdem sind mehrere Schilder aufgestellt, wie ihr sie auf dem Foto seht.

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Hintergrund: Wenn Menschen über den Platz laufen, kann die Akustik im Saal darunter gestört werden. Besonders für die Philharmonie (2000 Plätze) ein heikles Thema. Der Platz ist zugleich die Decke der Philharmonie.

Wie konnte es eigentlich dazu kommen? Die Kölner Philharmonie wurde 1986 eröffnet. Und als man das Konzept mit dem Platz auf der Decke anlegte, dachte noch niemand an diese Auswirkungen.

Das Ergebnis: Der Schallschutz entspricht seit nunmehr über 20 Jahren nicht mehr den Anforderungen. Besonders Rollkoffer, Skateboarder und anderes schweres Gerät ist offenbar nicht kompatibel mit der Akustik im Konzerthaus.


Heinrich Böll Platz: Keine Alternative zur Bewachung in Sicht

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Seit 20 Jahren sind „alle Bemühungen, durch bauliche Maßnahmen einen ausreichenden Schallschutz und die Befahrbarkeit der Platzfläche durch Rettungsfahrzeuge sicherzustellen“ gescheitert, wie es in der Beschlussvorlage für die Kosten 2022 heißt.

Problem: Auch wenn man die Decke der Philharmonie für einen Millionenbetrag saniert, wäre es nicht garantiert, dass das Dilemma gelöst wäre.

Mit anderen Worten:

  • Et es wie et is – sieh den Tatsachen ins Auge (§1 Kölsches Grundgesetz)
  • Wat wellste maache? – So ist es eben manchmal (§7 Kölsches Grundgesetz)

Heinrich Böll Platz: 285.000 Euro Kosten für 2022 geplant

Für 2022 wird der Stundensatz für das Bewachungspersonal mit 19,68 Euro zzgl. MwSt angegeben. Unter Berücksichtigung der tariflichen Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschlägen ergeben sich für 2022 voraussichtliche Bewachungskosten von 285.000 Euro.

780 Euro jeden Tag. 5480 Euro jede Woche. Auf nicht absehbare Zeit. Et es wie et is.

Die Bewachung des Platzes landete unter anderem 2015 im Schwarzbuch des Bundes Deutsches Steuerzahler. Dort zählt der Bund der Steuerzahler die gravierendsten Fälle von Steuerverschwendung auf.

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