Anzeige


Nordbrücke Bonn

Gesperrte Nordbrücke: Bonn plant kostenlosen ÖPNV bis Ende Juni

Die Sperrung der Nordbrücke in Bonn sorgt seit Mittwoch, 3. Juni 2026, für erhebliche Verkehrsprobleme in Bonn und der Region. Besonders betroffen sind die Verbindungen zwischen Beuel, der Innenstadt und den wichtigsten Ost-West-Achsen. Die Stadt Bonn bereitet deshalb ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor, um die Folgen der Sperrung abzumildern. (Foto: Imago / Jochen Tack)

Am Montagvormittag, 8. Juni 2026, zeigte sich erneut, wie angespannt die Lage ist. Vor allem in Beuel, in der Innenstadt sowie auf der B56 und rund um die Kennedybrücke kam es zu deutlichen Verzögerungen. Zusätzliche Belastungen entstanden durch mehrere Unfälle und einen Feuerwehreinsatz, die den Straßenverkehr und den Nahverkehr zeitweise weiter ausbremsten.

Taskforce koordiniert Maßnahmen

Oberbürgermeister Guido Déus spricht von einer großen Herausforderung für Bonn. Ziel sei es, „schnell, pragmatisch und flexibel“ zu handeln. Gemeinsam mit Bund, Land, Polizei, Stadtwerken Bonn und weiteren Beteiligten werde fortlaufend geprüft, wie die Mobilität in der Stadt aufrechterhalten werden könne.

Seit Bekanntwerden der Sperrung finden nach Angaben der Stadt tägliche Abstimmungen statt. Eine vom Oberbürgermeister am 3. Juni eingerichtete Taskforce bewertet laufend die aktuelle Verkehrslage und koordiniert mögliche Maßnahmen.

Für die Ratssitzung am Donnerstag, 11. Juni 2026, bereitet die Verwaltung eine Dringlichkeitsbeschlussvorlage mit einem größeren Maßnahmenpaket vor. Diese Übersicht zeigt, was geplant ist:

Mehr Park-and-Ride-Angebote

Ein zentraler Punkt ist der schnelle Ausbau von provisorischen Park-and-Ride-Flächen. Bereits eingerichtet wurde am Wochenende ein Angebot auf den Pützchens-Markt-Wiesen. Von dort gibt es einen Shuttleverkehr zur Ersatzhaltestelle Vilich der Stadtbahnlinie 66.

Weitere Standorte werden vorbereitet oder geprüft. Dazu gehören Flächen am Landesbehördenhaus mit Anbindung an die Stadtbahnhaltestelle Olof-Palme-Allee, Außenparkplätze an der Liegenschaft Oberkasseler Straße mit Verbindung zur Haltestelle Ramersdorf sowie ein Bereich am Telekom Dome.

Öffentlicher Nahverkehr soll gestärkt werden

Die Stadt Bonn will außerdem den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Geplant sind zusätzliche Shuttle- und Schnellbusverbindungen, unter anderem zwischen Hardtberg und der Bonner Innenstadt.

Auch im Bereich der Stadtbahnlinie 66 sind Änderungen vorgesehen. Am Friedhof St. Josef und Paulus soll die Linie künftig vollständig vom Autoverkehr getrennt geführt werden.

Für Radfahrende ist stadteinwärts eine neue Vorrangspur über den Bröltalbahnweg geplant. Stadtauswärts sollen Radfahrerinnen und Radfahrer um den Friedhof herum geführt werden.

Als zusätzlicher Anreiz zum Umstieg auf Bus und Bahn soll der ÖPNV in Bonn zeitlich befristet bis Ende Juni kostenlos angeboten werden. Wichtig: Das gilt noch nicht ab sofort, sondern muss noch vom Stadtrat in dieser Woche beschlossen werden.

Die Maßnahme ist Teil des Pakets, das die Stadt nun politisch auf den Weg bringen will.

Hauptverkehrsachsen sollen leistungsfähig bleiben

Parallel prüft die Stadt Maßnahmen, um die verbliebenen wichtigen Verkehrsachsen möglichst leistungsfähig zu halten. Dabei geht es vor allem um Strecken, auf die viele Menschen weiterhin angewiesen sind.

Vorgeschlagen oder geprüft wird unter anderem, auf der Oxfordstraße zwischen Bertha-von-Suttner-Platz und Stadthaus in Richtung Stadthaus wieder zwei Fahrspuren einzurichten. Dafür müsste die Umweltspur aufgegeben werden.

Auch am Friedensplatz und im Bereich Alter Friedhof/Bornheimer Straße werden Änderungen an Sonder- und Radspuren geprüft.

Auf dem Hermann-Wandersleb-Ring sollen ÖPNV-Sonderspuren erhalten bleiben, während der Radverkehr möglicherweise durch das Messdorfer Feld geführt wird. Auf der Adenauerallee soll die Zweispurigkeit in beide Richtungen wiederhergestellt werden.

Die Straße ist als Verbindung zwischen den verbliebenen West-Ost-Hauptachsen Südbrücke/B9/Reuterstraße und B56/Kennedybrücke/Oxfordstraße besonders wichtig.

Der bisherige Verkehrsversuch auf der Adenauerallee ist durch die neue Lage nach Einschätzung der Stadt faktisch beendet. Bezirksregierung Köln und Polizei Bonn sind eingebunden.

Für den Radverkehr werden Alternativen entlang des Rheinufers und über die Kaiserstraße geprüft. Auch ein Schutzstreifen auf der Adenauerallee ist im Gespräch.

Baustellen werden überprüft

Zusätzlich prüft die Stadt, ob laufende oder geplante Baustellen verschoben werden können, um die Verkehrslage nicht weiter zu verschärfen. Eine für Montag, 8. Juni, geplante Instandsetzung der mittleren Fahrspuren der Willy-Brandt-Allee in Fahrtrichtung Süden zwischen Bundeskanzlerplatz und Welckerstraße wurde bereits verschoben.

Auch weitere kurzfristige Lösungen werden geprüft. Dazu gehört etwa die Frage, ob Busse zeitweise über Schienenanlagen auf der Kennedybrücke geführt werden könnten.

Nordbrücke bald wieder befahrbar?

Die Autobahn GmbH untersucht derzeit, ob die Nordbrücke zumindest eingeschränkt wieder genutzt werden kann. Mit Ergebnissen rechnet die Stadt innerhalb der kommenden zwei Wochen.

Bis dahin bleibt die Lage für Pendlerinnen und Pendler angespannt. Die Stadt setzt nun vor allem auf eine Kombination aus zusätzlichen Park-and-Ride-Angeboten, verstärktem Nahverkehr, möglichen Änderungen im Straßenraum und einem vorübergehend kostenlosen ÖPNV-Angebot.

Warum ist die Nordbrücke gesperrt?

Die Bonner Nordbrücke ist seit Mittwoch, 3. Juni 2026, vollständig für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Hintergrund sind strukturelle Schäden am Tragwerk, die bei aktuellen Untersuchungen festgestellt wurden.

Die Autobahn GmbH hatte die Brücke zunächst bereits für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt. Nach den neuen Erkenntnissen reicht diese Einschränkung aber nicht mehr aus, um die Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Die Sperrung gilt deshalb bis auf Weiteres.

Was ist die Nordbrücke?

Die Bonner Nordbrücke heißt offiziell Friedrich-Ebert-Brücke und ist eine der wichtigsten Rheinquerungen in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Sie wurde 1967 eröffnet und führt die Autobahn 565 über den Rhein.

Die Brücke verbindet den linksrheinischen Bonner Norden mit Beuel und ist zugleich Teil einer wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen A61, A555 und A59. Nach Angaben der Projektseite „Bonn bewegt“ wird sie normalerweise von rund 100.000 Fahrzeugen pro Tag genutzt. Das Bauwerk besteht aus der linksrheinischen Vorlandbrücke, der eigentlichen Strombrücke über den Rhein und der rechtsrheinischen Vorlandbrücke. Langfristig ist ein Ersatzneubau der Rheinbrücke geplant.

Zurück
Kommentiere diesen Artikel