Ehrenstraße in Köln

Meinung: Die autofreie Kölner Ehrenstraße hat zwei Probleme

Seit Anfang Mai dürfen keine Autos mehr durch die Ehrenstraße in Köln fahren. Die beliebte Kölner Einkaufsstraße ist ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Eine große Mehrheit hatte sich diesen Schritt lange gewünscht. Sechs Wochen nach der Sperrung für Autos offenbaren sich auch die Probleme, die auf der Ehrenstraße künftig gelöst werden müssen.

Vorab: Es ist gut und folgerichtig, dass sich endlich keine Autos mehr durch die einspurige enge Straße quälen. Hier konnte sowieso (fast) niemand parken und auf Leute, die am Wochenende ihren matten AMG Mercedes hier rauf und runter fahren, kann man auch verzichten.

Unsere E-Mails für alle, die Köln im Herzen tragen

Wenn man nun jedoch durch die Ehrenstraße geht, sieht man auch die Probleme:

Ehrenstraße Köln: Wie eine leergeräumte Wohnung

Mitte / Ende Juni sieht die Ehrenstraße aus wie eine leergeräumte Wohnung, verwohnt und nicht ausgefegt. Die Holzbänke und Blumenkübel hat die Stadt zur Deutzer Freiheit weitergetragen. Der freigewordene Platz auf der Straße wird aktuell nicht genutzt. Die Straße ist an vielen Stellen schlicht versifft. Es wirkt wenig einladend.

Das soll zwar nicht nicht so bleiben: „Parallel arbeitet die Verwaltung an Stadtmöblierung, die anschließend für die Zeit bis zur baulichen Umgestaltung der Ehrenstraße zum Einsatz kommen wird“, teilte die Stadt Ende April mit.

Doch nun steht noch ein weiteres Provisorium an, ehe es eine „bauliche Umgestaltung“ geben wird – wie auch immer die aussieht, wann auch immer die fertig ist

Fahrradparkplätze auf der Ehrenstraße

Der Ausbau der Fahrradparkplätze in der Stadt ist wichtig und gut. Doch muss ausgerechnet eine vergleichsweise enge Fußgängerzone zu einem riesigen Fahrradparkplatz umgestaltet werden? Aktuell wird der freigewordene Platz fast ausschließlich als Rad-Parkplatz genutzt. Es sieht ein bisschen aus wie auf einem Rad-Schrottplatz. Ob das zur Steigerung der „Aufenthaltsqualität“ beiträgt?

Wem gehört die Ehrenstraße in der Zukunft?

Der größte Zankpunkt ist wohl, von wem die Straße künftig genutzt werden soll: Schon jetzt sieht man, dass es geteilter Raum mit Fußgängern und Radfahrer in diesem Bereich schwerlich funktioniert. Hier ist schlicht zu viel los und die Straße ist zu eng. Viele Fußgänger benutzen aktuell instinktiv den Bürgersteig.

Was auf der Deutzer Freiheit wegen weniger Fußgängern funktionieren kann, ist auf der Ehrenstraße schwierig. Auf der Schildergasse und Hohe Straße ist Radfahren nicht erlaubt. Aus gutem Grund.

Berlin schafft Radweg auf Friedrichstraße ab

Ein ähnliches Phänomen konnte man schon auf der wesentlich breiteren Friedrichstraße in Berlin beobachten. Die wurde ebenfalls auf einem Abschnitt autofrei gemacht. Hier gab es einen vier Meter breiten Radweg, der nun verschwinden wird – es hat nicht funktioniert, obwohl hier viel mehr Platz als auf der Ehrenstraße zur Verfügung stand.

Ist ein so enger belebter Raum ein Bereich für Fußgänger oder Radfahrer? Prognose: Man wird nicht drumherumkommen, sich hier zu entscheiden.

Radfahrer wünschen sich, dass sie zügig und störungsfrei durch die Stadt kommen. Die breiten Radspuren auf vielen Kölner Straßen zeigen bereits, wie das funktionieren kann. Fußgänger wünschen sich, dass sie nicht umgemäht werden. Beides zusammen wird auf der Ehrenstraße schwerlich funktionieren.

Autofreie Ehrenstraße: Die Fakten

Die autofreie Zone in der Ehrenstraße geht von der Breite Straße (Beginn Nord-Süd-Fahrt) durchgehend bis zum Hohenzollernring. Die Durchfahrten Friesenwall, Pfeilstraße/Alte Wallgasse und Richmodstraße/Auf dem Berlich bleiben für den Kfz-Verkehr möglich. Auch Fahrradfahrer dürfen hier weiter fahren.

Lieferverkehr darf an Werktagen zwischen 6 und 11 Uhr fahren, um die Versorgung der Geschäfte zu gewährleisten.

Bislang stehen viele Poller auf Breite und Ehrenstraße, die Autos von Fußgänger trennen. Das soll künftig wegfallen und zu einer höheren Aufenthaltsqualität führen. Als Vorbild für die autofreie Zone nennt die Stadt das Eigelstein, wo Autos ebenfalls seit einigen Monaten verboten sind.

Ehrenstraße Köln als Fußgängerzone: Die Auswirkungen für den Verkehr

  • Sperrung der Durchfahrt über den Willy-Millowitsch-Platz von Süden nach Norden für den Kfz-Verkehr. Die Verbindungen von der Apostelnstraße in die Gertrudenstraße über die Südseite des Platzes sowie von der Albertusstraße in die St.-Apern-Straße auf der Nordseite des Platzes bleiben erhalten. Das Gertrudenparkhaus bleibt über die Südseite des Platzes weiterhin erreichbar.
  • Drehung der Einbahnstraßenrichtung der Gertrudenstraße zwischen Willy-Millowitsch-Platz und Wolfsstraße.
  • Drehung der Einbahnstraßenrichtung der Straße „Große Brinkgasse“.
  • Auflösung der Durchfahrsperre für Verkehre in Süd-Nord-Richtung auf der Richmodstraße in Höhe des Parkhauses vom Karstadt.
  • Öffnung der Wolfsstraße für den Zweirichtungsverkehr zwischen den Ausfahrten aus den Parkhäusern und der Richmodstraße. Dies ermöglicht die Ausfahrt aus den Parkhäusern zur Magnusstraße und zur Nord-Süd-Fahrt.
  • Die Parkhäuser Bazaar de Cologne, Wolfsstraße und Karstadt sind künftig nur noch über den Neumarkt erreichbar.  

Fußgängerzone Ehrenstraße:

Fußgängerzone in der Ehrenstraße Köln
© isotype/Stadt Köln

Auch Deutzer Freiheit für Autos gesperrt

Die Deutzer Freiheit ist seit Juni ebenfalls in eine Fußgängerzone umgewandelt worden. Die einspurige Straße ist für Autos nunmehr ebenfalls tabu. Hier hat die Stadt Köln einen einjährigen Verkehrsversuch gestartet. In dieser Zeit soll gemeinsam mit Anliegern und Geschäftstreibenden vor Ort ausgewertet werden, ob eine Fußgängerzone hier sinnvoll ist: Die genauen Infos zur Fußgängerzone auf der Deutzer Freiheit lest ihr hier

1 Comment

  • Hardung-Sturzebecher Karsten

    Autofreien Ehrenstr.:
    Ein guter Anfsng! Die Straße hat gewonnen!
    Die Fahrräder müssten aber geschoben werden!

Kommentiere diesen Artikel

×