Nach vielen Jahren der Baustellen kehrt endlich wieder Leben ins Dom Hotel ein. In diesen Tagen eröffnete an der Südseite des Hotels (zum Früh hin) sogar der erste Laden (Rimowa). Die historiche Fassade des Dom-Hotel ist mittlerweile wieder sichtbar und wird zur Weihnachtszeit rot angeleuchtet.
Was viele nicht wissen: Das Dom–Hotel sah nicht immer so aus, sondern hatte mehrere Vorgängerbauten. Der wohl prächtigste Vorgängerbau stand bis zum 2. Weltkrieg an dem Platz. (Foto: IMAGO / piemags)
Dieser dritte Bau des Dom-Hotels ist auf den Bildern zu sehen und entstand zwischen 1890 und 1893 nach Plänen der Architekten Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim.
Er war das Ergebnis einer städtebaulich sensiblen Lösung: Der Neubau wurde hinter dem noch teilweise stehenden Vorgänger errichtet, damit der inzwischen vollendete Dom möglichst wenig verdeckt wurde. Der Dombau-Verein hatte darauf gedrängt, die Sichtachsen auf die Kathedrale freier zu halten.
- Am 15. April 1893 wurde das neue Dom-Hotel eröffnet – größer, repräsentativer und architektonisch deutlich opulenter als alles, was zuvor an dieser Stelle gestanden hatte.
Das Dom Hotel vor dem 2. Weltkrieg
Die Fassade dieses Vorkriegsbaus war im Stil der italienischen Renaissance gehalten. Prägend war eine lang gestreckte, zehnbögige Arkadenfront, die sich über mehrere Geschosse zog. Darüber erhoben sich reich gegliederte Fassadenflächen mit kunstvoll gestalteten Fensterachsen, Gesimsen und Balustraden.
Besonders markant waren die beiden aufragenden Ecktürme mit ihren Kuppeln, die das Hotel weithin sichtbar machten. Zwischen diesen Türmen spannte sich ein mächtiger Baukörper, der mit seinen steinernen Details, Erkern und Loggien bewusst den Anspruch eines Grandhotels unterstrich.
Wer um 1900 über den Domhof – den heutigen Roncalliplatz – ging, sah nicht das heutige klare, reduzierte Erscheinungsbild, sondern ein nahezu palastartiges Gebäude, das seine Gäste schon von außen mit architektonischer Wucht empfing.
Der Haupteingang lag in einer tiefen Arkade, darüber leuchteten nachts die Lichter der Suiten und Salons. Im Inneren warteten prunkvolle Treppenhäuser, hohe Bankettsäle, Kronleuchter, Marmorböden und schwere Samtvorhänge.
Dom Hotel war das gesellschaftliche Zentrum der Stadt
Das Dom-Hotel war zu dieser Zeit eines der gesellschaftlichen Zentren Kölns. Hier logierten gekrönte Häupter, Industrielle, Künstler und Politiker. Kaiser Wilhelm II. wohnte mehrfach im Haus, 1916 kam es hier zu einem Treffen der legendären Spionin Mata Hari.
Mit dem Centralbahnhof direkt gegenüber und später mit der Hohenzollernbrücke im Rücken war das Hotel perfekt angebunden – ein Schaufenster der Stadt für internationale Gäste.
Die Bombenangriffe des 2. März 1945 setzten dieser Architektur ein abruptes Ende. Große Teile des Hotels wurden zerstört, nur drei Zimmer galten nach Kriegsende noch als bewohnbar. Beim Wiederaufbau ab 1947 entschied man sich bewusst gegen eine originalgetreue Rekonstruktion der Türme, Kuppeln und Arkaden.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Reduzierter Aufbau nach dem 2. Weltkrieg
Das neue Dach wurde flach ausgeführt, um den Blick auf den Dom nicht erneut zu konkurrieren. Mit dem Wiederaufbau zwischen 1947 und 1952 verschwand die monumentale Vorkriegsfassade endgültig aus dem Stadtbild.
Das Bild, das heute noch aus dieser Zeit existiert und nun wieder Aufmerksamkeit bekommt, zeigt also ein Dom-Hotel, das es so seit fast 80 Jahren nicht mehr gibt: mit Türmen, Arkaden und einer Fassadenpracht, die den heutigen Roncalliplatz einst fast wie eine italienische Piazza wirken ließ.
Mit der aktuellen Sanierung und der schrittweisen Wiedereröffnung des Dom-Hotels schließt sich nun ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte dieses Ortes.



