Es ist einer der beeindruckendsten Orte Kölns. Viele Urkölner kennen ihn, viele andere haben noch nie von ihm gehört. Gleichzeitig klingt er auch ziemlich gruselig: In Köln gibt es eine so genannte „Goldene Kammer“ dessen Wand aus menschlichen Knochen besteht. Sie erzählt außerdem eine der bedeutendsten Geschichten Kölns.
➡️ Worum gehts? In der Basilika St. Ursula befindet sich die „Goldene Kammer“ – ein begehbarer Reliquienraum, dessen Wände mit menschlichen Knochen gestaltet sind. Sie gilt als größtes „Beinhaus“ (etwas schräger Begriff) nördlich der Alpen. (Foto: Imago / Zoonar)
Die Legende der Heiligen Ursula
Der Raum ist nicht nur wegen seiner Gestaltung außergewöhnlich. Er ist auch eng mit einer der bekanntesten Kölner Heiligenlegenden verbunden:
➡️ Der Legende nach soll die Heilige Ursula im 4. Jahrhundert als bretonische Königstochter gelebt haben. Sie habe sich der Jungfräulichkeit verschrieben, sei aber von ihrem Vater mit dem heidnischen König Aetherius verlobt worden.
Ursula soll der Ehe nur unter Bedingungen zugestimmt haben: Aetherius sollte christlich unterrichtet und getauft werden, sie selbst wollte zuvor mit ihren Gefährtinnen nach Rom pilgern.
Der Weg führte der Überlieferung zufolge über die Nordsee, den Rhein, Köln und Basel bis nach Rom. Auf der Rückreise sollen Ursula und ihre Begleiterinnen in Köln von Hunnen überfallen worden sein. Weil Ursula den Hunnenkönig zurückgewiesen habe, sei sie mit einem Pfeil getötet worden. Ihr Gedenktag ist der 21. Oktober.
Legende prägt Köln bis heute
Historisch belegt ist diese Erzählung nicht. Trotzdem wurde die Ursula-Legende über Jahrhunderte zu einem wichtigen Teil der Kölner Stadtgeschichte. Sie prägte Frömmigkeit, Pilgerwesen und auch den Reliquienkult in der Stadt.
Die Zahl von 11.000 Jungfrauen, die Ursula begleitet haben sollen, ist dabei ebenfalls nicht wörtlich zu verstehen. Vermutlich standen am Anfang deutlich weniger Gefährtinnen.
Für Köln wurde sie trotzdem prägend. Die 11.000 Jungfrauen machten die Ursula-Geschichte zu einer der großen Heiligenlegenden der Stadt. Sie stärkten den Reliquienkult, zogen Pilger an und erklärten über Jahrhunderte, warum in St. Ursula so viele Gebeine verehrt wurden.

Die Goldene Kammer gibt es seit hunderten Jahren
Die Goldene Kammer wurde 1643 gestiftet. Sie sollte der Verehrung der Ursula-Reliquien einen zentralen Ort geben. Zuvor waren die Gebeine im Inneren der Kirche verteilt ausgestellt. In der barocken Kammer wurden die menschlichen Überreste kunstvoll arrangiert: Knochen, Schädel und Reliquienbüsten bilden bis heute eine dichte, fast überwältigende Raumwirkung.
Dass die Goldene Kammer noch heute in dieser Form zu sehen ist, ist bemerkenswert. Die Kölner Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, auch St. Ursula erlitt erhebliche Schäden. Die Goldene Kammer blieb jedoch weitgehend erhalten und befindet sich noch nahezu im Zustand des 17. Jahrhunderts.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Auch die Kirche selbst gehört zu den bedeutenden romanischen Kirchen Kölns. St. Ursula wurde ab 1185 an einer Stelle errichtet, an der bereits seit der Spätantike christliche Märtyrerinnen verehrt wurden. Der Ort liegt auf einem römischen Gräberfeld. Die westliche Hauptfassade, der massive Turm mit barocker Haube, die Vorhalle und das Langschiff sind romanisch geprägt.
Öffnungszeiten der Goldenen Kammer
Wer die Goldene Kammer besuchen möchte, sollte sich vorher über die aktuellen Öffnungszeiten informieren. Die Zeiten ändern sich je nach Monat.
Für Mai 2026 nennt die Kirchengemeinde unter anderem Öffnungen montags, donnerstags und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie täglich von 15 bis 17 Uhr; an Feiertagen kann es Abweichungen geben. Der Eintritt beträgt wenige Euro.
Aufgrund weiterer Restaurierungsarbeiten soll die Goldene Kammer vom 7. September bis 24. Dezember 2026 geschlossen sein.
➡️ St. Ursula liegt am Ursulaplatz 24 in 50668 Köln, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt.
Tipp: Es gibt regelmäßig öffentliche Kirchenführungen in St. Ursula: Zu den Terminen
Zum Thema: Die Bedeutung der Blutsäule in der Kölner Gereonskirche



