Viele verbinden Wolfgang Petry mit den großen Stadionkonzerten Anfang der 90er-Jahre im Ruhrgebiet. Der Mann mit der Matte, Schnäuzer und den vielen Freundschaftsarmbändern. Was viele nicht wissen: Wolfgang Petry ist gar kein Kind des Ruhrgebiets – und der Sänger („verlieben, verloren, vergessen, verzeihen…“), der mit bürgerlichen Namen Franz Hubert Wolfgang Remling heißt , ist in Wahrheit Kölner, geboren in Raderthal.
Seine musikalischen Anfänge machte er im legendären Whiskey Bill in Forsbach, in dem in den 80er-Jahren das halbe Rheinland feierte. Und nun kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. (Foto: IMAGO / Robert Michael)
Späte Heimkehr für Wolfgang Petry
Wolfgang Petry veröffentlicht mit seiner neuen Single „Mr bruche keiner“ erstmals einen selbstgeschriebenen Song in kölscher Mundart. Für den 74-Jährigen ist das weniger ein Stilbruch als eine späte Rückkehr.
Geprägt von frühen Bandjahren und Nächten in Kölner Clubs, ist die Stadt bis heute sein emotionaler Bezugspunkt. Dass er nun ausgerechnet auf Kölsch singt, wirkt deshalb fast folgerichtig – auch wenn dieser Schritt lange auf sich warten ließ.
„Mr bruche keiner“ ist kein lauter Comeback-Song, sondern eine ruhige, nach innen gerichtete Poprock-Ballade. Petry erzählt darin von Erfahrungen, die sich erst mit den Jahren sortieren: von Eigenständigkeit, von Zweifeln, vom Mut, Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und vom Wert des Gebens.
Der Song blickt zurück, ohne nostalgisch zu werden, und nach vorn, ohne große Gesten zu bemühen.
Die kölsche Sprache verleiht dem Stück dabei eine besondere Nähe. Für Petry ist sie kein folkloristisches Stilmittel, sondern Teil seines Denkens.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Bewusster Verzicht auf Kölsch über viele Jahre
Immer wieder beschreibt er, wie selbstverständlich sich der Dialekt anfühlt, sobald er in Köln ist – als würde sich ein innerer Schalter umlegen. Genau dieses Gefühl trägt auch den Song: vertraut, ruhig, geerdet.
Bemerkenswert ist der Schritt auch deshalb, weil Petry jahrzehntelang bewusst auf Mundart verzichtet hat. Trotz seiner Herkunft blieb Kölsch in seinem musikalischen Werk bislang außen vor. Mit „Mr bruche keiner“ ändert sich das nun – und zeigt einen Künstler, der sich nicht neu erfinden will, sondern einen fehlenden Baustein ergänzt.
Ob aus dem Kölsch-Debüt mehr wird, lässt Petry offen. Ein ganzes Album in Mundart ist bislang nicht angekündigt. Klar ist aber: Nach zuletzt sehr öffentlichen Projekten – etwa der Neuaufnahme eines seiner größten Hits mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft – wählt er diesmal einen deutlich persönlicheren Zugang.
Oder anders gesagt: Dieser Song will nicht gefallen um jeden Preis. Er will erzählen, wo jemand herkommt – und warum man manchmal erst spät merkt, welche Sprache einem wirklich gehört.
Hier könnt ihr den Song in voller Länge auf YouTube sehen und hören:



