Pumpe Kölner Alter Markt

Woher kommt diese Pumpe mitten auf dem Alter Markt?

Wer über den Alter Markt geht, hat sie oft gar nicht bewusst auf dem Zettel. Zwischen Rathaus, Gastronomie und Marktgeschehen steht eine große steinerne Pumpe – unscheinbar genug, um schnell übersehen zu werden. Dabei gehört sie zu den historischen Objekten, die viel über das frühere Leben in Köln erzählen: über Wasserversorgung, harte Alltagsarbeit und den öffentlichen Raum als sozialen Treffpunkt.

Seit dem Mittelalter versorgten sich die Kölnerinnen und Kölner über private und öffentliche Ziehbrunnen mit Trinkwasser. Auch der Alter Markt als Zentrum der damaligen Rheinvorstadt besaß einen solchen Brunnen.

Das Wasser wurde mit Eimern aus der Tiefe gezogen – mühsam, aber unverzichtbar. Meist teilten sich mehrere Häuser einen Brunnen; nur wohlhabende Familien konnten sich einen eigenen leisten.

❤️ Kölns beliebtesten Newsletter abonnieren - Kölner Dom-Mandala erhalten ✅
Kölner Dom Mandala
❤️ Kölns beliebtesten Newsletter abonnieren - Kölner Dom-Mandala erhalten ✅

Im 18. Jahrhundert veränderte sich dieses System grundlegend. Die Ziehbrunnen wurden zunehmend durch Saugpumpen ersetzt. Diese ermöglichten eine einfachere Wasserentnahme und prägten mit ihren steinernen Pumpenpfeilern bald das Stadtbild.

Neben ihrer praktischen Funktion erhielten sie eine repräsentative Gestaltung – und damit auch kunst- und stadtgeschichtliche Bedeutung. Für den Alter Markt sind aus dieser Zeit sogar zwei Pumpen belegt.

Waschfrauen, Waschmägde – und harte Realität

Waschen war schwere körperliche Arbeit und über Jahrhunderte nahezu ausschließlich Frauenarbeit. Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind in Köln Lohnwäscherinnen belegt, die gegen Entgelt für wohlhabendere Haushalte arbeiteten.

Gleichzeitig waren Brunnen und Waschplätze Orte der Kommunikation. Gespräche machten die anstrengende Arbeit erträglicher, besonders im Winter. Redewendungen wie „schwatzen wie ein Waschweib“ oder „schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen“ stammen aus dieser Zeit.

Auch wenige Meter weiter, gegenüber vom Roncalliplatz steht eine historische Pumpe, fast baugleich, in der Kölner Altstadt.

Das Ende des öffentlichen Waschens

Mit der fortschreitenden Urbanisierung änderte sich auch der Umgang mit Wasser. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das öffentliche Trocknen von Wäsche verboten, mit dem Ausbau der Kanalisation verschwand schließlich auch das öffentliche Waschen. Die Arbeit verlagerte sich in die Privathaushalte – mühsam blieb sie dennoch.

❤️ Kölns beliebtesten Newsletter abonnieren - Kölner Dom-Mandala erhalten ✅
Kölner Dom Mandala
❤️ Kölns beliebtesten Newsletter abonnieren - Kölner Dom-Mandala erhalten ✅

Ein Unfall und eine lange Abwesenheit

Die heute sichtbare Pumpe auf dem Alter Markt stammt aus dem 18. Jahrhundert. Am 2. Juni 2020 wurde sie bei einem Unfall schwer beschädigt: Ein Lkw, der eine Baustelle belieferte, fuhr mit erheblicher Wucht gegen den rund 4,35 Meter hohen, im Boden verankerten Pumpenpfeiler. Die denkmalgeschützte Anlage stürzte um. Verletzt wurde niemand.

Die Einzelteile der Pumpe wurden gesichert und auf dem Kölner Südfriedhof eingelagert. Dort lagerten sie jahrelang. Die Wiederaufstellung verzögerte sich unter anderem, weil sich Stadt und Versicherung über die Höhe der Reparaturkosten nicht einig waren. Auf dem Alter Markt blieb die Pumpe lange Zeit eine Leerstelle.

Restaurierung Stein für Stein

Erst fünf Jahre nach dem Unfall begann der Wiederaufbau. In einer Fachwerkstatt wurden die Natursteinteile konservatorisch bearbeitet: beschädigte Werkstücke gesichert, Risse geschlossen, Fehlstellen ergänzt. Das historische Pumpengestänge aus Metall wurde geschweißt, gerichtet und teilweise erneuert.

Anschließend kehrten die einzelnen Steine zurück auf den Alter Markt. Mithilfe eines Krans wurde die Pumpe Stück für Stück wieder aufgebaut und das Gestänge montiert. Die Kosten für die Natursteinarbeiten in Höhe von rund 56.000 Euro übernahm die Versicherung des Lkw-Fahrers. Planung, Projektsteuerung und Bauleitung trug die Stadt Köln.

Seit Sommer 2025 wieder Teil des Platzes

Seit Sommer 2025 steht die Pumpe wieder an ihrem historischen Standort vor dem Kölner Rathaus. In Betrieb ist sie allerdings nicht mehr. Schon vor dem Unfall war der Brunnen verplombt worden, um zu verhindern, dass nach starken Regenfällen Grundwasser nach oben gepumpt wird.

Heute erfüllt die große Pumpe eine andere Funktion: Sie erinnert sichtbar an eine Zeit, in der Wasserholen, Waschen und öffentliche Brunnen den Alltag bestimmten. Wer auf dem Alter Markt kurz stehen bleibt und genauer hinschaut, entdeckt darin ein Stück Kölner Stadtgeschichte – eines, das man leicht übersieht, das aber viel über das Leben früherer Generationen erzählt.

Zurück
Kommentiere diesen Artikel