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7 legendäre Geschichten aus dem Kölner Miljö der 60er- und 70er-Jahre

Das Kölner Miljö der 70er- und 80er-Jahre war berühmt und berüchtigt. In den den 60er-Jahren galt Köln als Verbrechenshauptstadt, der Name „Chicago am Rhein“ war angelehnt an die hohe Kriminalitätsrate Chicagos zur Zeit von Al Capone.

Auf den Straßen rund ums Friesenviertel bestimmten Figuren die Szene, deren kölsche Namen bis heute präsent sind: Dummse Tünn, Schäfers Nas, Karate Jacky oder Die Axt. (Foto: Greven Archiv Digital)

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Schwere Jungs, teure Autos, halbseidene Geschäfte. Trotz der Kriminalität damals fasziniert das Kölner Miljö aus dieser Zeit bis heute viele KölnerInnen und Immis.

Wir haben hier sieben legendäre Anekdoten aus der Kölner Miljö-Zeit der Vergangenheit gesammelt. Sie sollen nichts beschönigen oder verherrlichen, sondern abbilden, was damals geschah.

Schäfers Nas und der Raub aus der Domschatzkammer

1996 stehlen unbekannte Täter das Vortragekreuz aus der Domschatzkammer des Kölner Doms. Schäfers Nas, einer der gefürchtetsten und brutalsten Zuhälter in Köln, ließ damals auf Bitten des Domprobst seine Kontakte in die Unterwelt spielen, gelangte tatsächlich an das gestohlene Kreuz und gab es dem Domprobst persönlich zurück.

Eine Belohnung (3000 Mark) soll er mit dem Satz abgelehnt haben: „Vom Dom nimmt man nicht, dem Dom gibt man höchstens.“ Der Domprobst sicherte ihm darauf zu, ihn in seine Gebete mit einzuschließen. „Ja, das tut meiner schwarzen Seele gut“, soll er gesagt haben.

Heinrich Schäfer starb ein Jahr später im November 1997 im Alter von 61 Jahren an einem Herzinfarkt.


Die Axt im Gitarrenkoffer

„Die Axt“ war der Spitzname für Hermanns Tünn. Der Grund: Zu Schlägereien soll die Miljö-Größe mit einem Gitarrenkoffer gekommen sein. Darin war aber kein Musikinstrument, sondern eine Axt. Auf Menschen will er damit nie losgegangen sein, sondern lediglich Mobiliar, wie etwa Theken.

Leibwächter von Romy Schneider

Dummse Tünn hieß mit richtigen Namen Anton Durm und war einer der größten Rivalen von Schäfers Nas. Seine Karriere begann er als Leibwächter von Romy Schneider. Die wiederum war die Stieftochter des Kölner Gastro-Königs Hans-Herbert Blatzheim.

Blatzheim hatte zwischendurch Deutschlands zweitgrößtes Gastro-Imperium aufgebaut und betrieb unter anderem das Restaurant in der Bastei. 1975 wurde Dummse Tünn im Friesenviertel von seinem Rivalen Schäfers Nas bei einer Schlägerei im Friesenviertel niedergeschlagen.

Anton Dumm (ganz links) in den 70er-Jahren in einer Kölner Lokalität. Foto: Greven Archiv Digital

Die Auseinandersetzung war eine der denkwürdigsten in der Kölner Miljö-Szene – aber auch sehr kurz: „Dä hät der su jenomme un op der Kopp jestallt. Dä Tünn hatt do jar kein Chance jäje de Nas“, erinnert sich Essers Häns aus dem Miljö laut dem Buch „Chicago am Rhein“ an die Konfrontation.

Beide versuchten sich ansonsten so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Schäfers Nas kam in dieser Nacht zu Gute, dass er im Gegensatz zu Dummse Tünn keinen Alkohol trank.

Szene aus dem Kölner Nachtleben: So sah es 1972 vor dem damaligen Montmartre aus. Foto: Greven Archiv Digital

Torpedo-Abfangboot zur Yacht umgebaut

In den 70er-Jahren hatte sich Schäfers Nas ein ehemaliges Torpedo-Abfangboot aus Bremen (gebaut 1945) gekauft und zur Yacht umgebaut. Das Boot war 22 Meter lang und 4 Meter breit. Im Innern war es edel ausgebaut, unter anderem mit Eichenholztäfelung, goldenen Armaturen und Leopardenfellbezügen. Die MS Colorado (328 PS) soll in den 70-er Jahren rund 800.000 Mark wert gewesen sein. Schäfers Nas soll einen Großteil seiner Freizeit auf und mit dem Boot verbracht haben, das im Rheinauhafen lag.

2004 wurde das Schiff für 41.000 Mark zwangsversteigert, da die Liegegebühren im Rheinaufhafen nicht mehr bezahlt wurden.

Karate Jacky – Weltmeister der Straße

Er galt als Weltmeister der Straße. Ein Baum von einem Mann: Gegen Karate Jacky kam niemand an. Er war durchtrainiert, groß und wurde über Türsteher und Bodygard-Jobs schnell eine Größe in der Szene, war sogar deutscher Auswahlkämpfer im Judo. Karate Jacky, der eigentlich Jakob Franzen heißt, war Leibwächter von Nachtclubbesitzer Hans Geuer, genannt „Glucke“ wegen seiner Statur.

Jeder hat versucht, ihn umzuhauen – niemand hat er geschafft: „Ich war der Weltmeister der Straße“, sagte Karate-Jacky 2015 dem Express. Er starb am 1. April 2021 im Zimmer des Wohnheims, in dem er zuletzt wohnte mit 60 Jahren eines natürlichen Todes.

Die erste Rolex mit 18

Mit nur 18 Jahren hat sich der lange Tünn seine erste Rolex gekauft (Preis: 3000 Mark), mit 21 hatte bereits 400.000 Mark auf seinem Konto. Geld, das er ebenso schnell wieder verlor, wie er es beim Zocken eingenommen hatte.

Heute macht der lange Tünn unter anderem Stadtführungen zu den früheren Orten des Kölner Miljös, erzählt dort die damaligen Geschichten aus der Rotlichtszene über Machtkämpfe und Sex.

Das Love Story war einer der bekanntesten Szene-Läden in der damligen Zeit. Foto: Greven Archiv Digital / Hans-Peter Dahlhausen

Tod nackt auf dem Sofa

Zu seinen Lebzeiten fuhr er Rolls-Royce, galt als Millionär und Chef von mehreren Nachtclubs. Abels Män kaufte Bernd Schuster das Auto („Corvette“) ab, schritt im maßgeschneiderten Nerz über die Ehrenstraße. Mit 1800 Frauen will er geschlafen haben.

Von seinem Reichtum war Abels Män allerdings nichts geblieben: Der einst schönste Mann im Miljö starb 2011 mit 66 Jahren und war schwer zuckerkrank.

Wie seine Schwester in einem Buch „Wer hat schon einen Zuhälter als Bruder“ schrieb, starb Abels Män verarmt und nackt auf dem Sofa in einem kleinen Appartement auf der Schäl Sick.

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17 Comments

  • Dieter Ottow

    Vielleicht solltet ihr mal die Erzählungen eines Polizisten aus der Zeit dazu nehmen z.b. ( pas ob der schnäuze kütt von Alfred Hasemeier )
    er hat mehrer Sachen geschrieben sehr interessant

    • Ich habe mit Alfred Hasemeier fast 2 Jahre lang in Ju Jutsu trainiert. Eine sehr interessante Figur der viele Miljö Geschichten (und nicht nur) hat erzählen können. 2 seiner Bücher (im Taschenformat) sind Bestandteil meiner Bibliothek…
      Und zum ‚Love Story‘ am Friesenwall habe ich eine schöne Geschichte zu meiner damaligen Studentenzeit. Diese bei der nächsten Gelegenheit.

      • Eve Sun De Rose

        Köln war schon immer eine beliebte Stadt .das Nachtleben immer wieder grandios mit den magischen Momenten

    • Verliebt in Köln

      Guter Hinweis, vielen Dank!

  • Bruno hentschel

    Habe 2 Jahre beim dummes tünn mit die 2 Häuser am sengerweg in rath aufgebaut dann am reit Stall un seine Tauben versorgt super Typ manches Wochenende mit ihm unterwegs gewesen habe seine Unterhaltungen geliebt

  • Peter Gnoss

    Die Kölner Szene hat es in sich und bei aller Grausamkeit kann man sich ein Lächeln selten verkneifen, wenn Zeitzeugen in unverfälschtem Szenekölsch berichten.

  • Gerhard Anton

    dumse tünn war öfters in Uckendorf im Reitstallcasino.Dort habe ich ihn kennen gelernt.Er hat unter anderen an einem Sonntag auch mich und andere zu einem Ausritt ab Rath wo sene Pferde standen eingeladen.Wir haben uns da mit unseren Pferden getroffen und sind gestartet.Unterwegs gab es ein Stopp,hatten viel Spaß.Toni hatte von mir den Rottweiler mit dem Namen Carlo.Den hatte er lange.

  • Heinz Heuser

    Schmunzeln darf man, aber glorifizieren sollte man die Szene nicht. Sie war kriminell. Punkt.

  • Gisela Weinert

    Das Wort ‚Paraplü‘ heisst Regenschirm und kommt von der französischen Besatzung.

  • Erika Neitzert

    Ich kann mich noch gut dran erinnern, dass meine Mutti in der Gaststätte bei Platzheim als Servierin gearbeitet hat ich habe sogar ein kleines Pöpfchen, mit der Aufschrift Platzheim sie durtfte mir immer
    was zu essen mitbringen meine Mutti arbeite dort als Sevierin. Ich war damals 10 Jahre heute bin 86 Jahre aber Köln ist meinè Heimat auch wenn ich schon lange aus Köln weg bin.
    Regenschirm heißt wirklich Paraplü

    Essen mit bringen

    • Ursula Schinkel

      Blatzheim war der Stiefvater von Romy Schneider

    • Erika Neitzert

      ,Ich kann mich noch gut daran erinnern an die Gaststätte Platzheim meine Mutti arbeitete dort als Sevierin, ich habe sogar noch ein Töpfchen wo Platzheim dauf steht ,meine Mutti durfte mir immer was Essen mit bringen ich war damals 10 Jahre heute bin ich 86 Jahre
      Köln ist meinè Heimat auch w Ich schon nicht mehr in Köln wohne
      Jedes Jahr fahre ich 2 mal im Jahr ins Hänneschen Theater ich liebe es sehr
      Regenschirm heißt wirklich Paraplü

  • Erika Neitzert

    De Müllers Aap habe gut gekannt auch seine Brüder

  • christa Klötsch

    er war oft im Reitstall in Wahnheide , wenn wir ein Tunier hatten ,weil sein Sohn dort startete

  • Günther Hermes

    Super Anektoden us Kölle.
    Ich kannte sie alle im Miljö,bin dort in jungen Jahren auch verkehrt.Von Storryville über Friesenschänke bis zum Montmatre.Es war eine jeile Zick.
    Früher rief man mich Bonner Günni
    Und heute grüße ich aus Tirol

  • Dieht kurth

    Ich kann nur sagen ich war früher viel in der Stadt (als dj) und das war eine schöne Zeit,ich habe auch mit dem dumse tünn in ostheim zusammen ein Schwein geschlachtet. Minge ühm wo Kellner in der Stadt. Gruß euer mod dieht

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