Nord Süd Bahn

3. Baustufe Nord-Süd-Stadtbahn: 76 Mio. Mehrkosten, 5 Jahre später fertig

Es ist eine Nachricht, an die man sich mittlerweile gewöhnt hat. Doch jede neue dieser Nachrichten trägt auch dazu bei, dass das Vertrauen in die Verwaltung sinkt. Die 3. Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn kostet die Stadt Köln voraussichtlich rund 76 Millionen Euro mehr als beim Baubeschluss 2015 vorgesehen. Das teilt die Verwaltung dem Mobilitätsausschuss für seine Sitzung am 16. Juni 2026 mit.

Als Hauptgründe werden Kampfmitteluntersuchungen, Bauverzögerungen, gestiegene Baupreise und zusätzliche technische Arbeiten auf der Bonner Straße angegeben. (Foto: Symboldbild / KVB / Stephan Anemüller)

Der Ausbau der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße bleibt eines der großen Kölner Verkehrsprojekte – und eines, das deutlich teurer wird. Nach aktuellem Stand rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von rund 160 Millionen Euro brutto. Davon entfallen laut Verwaltung etwa 140,7 Millionen Euro auf den städtischen Anteil.

Wichtig zur Einordnung: Die Nord-Süd-Stadtbahn wird in unterschiedlichen Baustufen gebaut. Der dritte Abschnitt liegt nicht am Stadtarchiv, sondern weiter südlich. Er führt oberirdisch über die Bonner Straße und hat vier Haltestellen.

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➡️ Gegenüber der Beschlussfassung aus dem Jahr 2015 bedeutet das eine Erhöhung des städtischen Anteils um rund 76 Millionen Euro brutto.

➡️ Die Stadt verweist darauf, dass diese Summe bereits Einsparungen von 9,3 Millionen Euro berücksichtigt. Diese seien durch Nachverhandlungen zu 115 Nachträgen erzielt worden.

Warum wird alles teurer?

Ein wesentlicher Grund sind die Kampfmitteluntersuchungen auf der Bonner Straße. Nach Angaben der Stadt werden sie bis zur Fertigstellung voraussichtlich zusätzlich 31,7 Millionen Euro brutto kosten.

Im Sommer 2022 waren die Bauarbeiten nach dem zweiten Fund von Kampfmitteln direkt unter der Oberfläche aus Sicherheitsgründen gestoppt worden. Der Baustopp dauerte sechs Monate.

Danach wurde das Bauverfahren gemeinsam mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland der Bezirksregierung Düsseldorf und weiteren Fachstellen überarbeitet.

Seitdem müssen die Aushubarbeiten dauerhaft von einem Feuerwerker begleitet werden. Das soll die Sicherheit von Anwohnerinnen und Anwohnern, Beschäftigten und Sachwerten gewährleisten. Gleichzeitig verzögern sich dadurch laut Stadt die Erdarbeiten sowie anschließende Kabel- und Verfüllarbeiten erheblich.

Baukosten von 2015 treffen auf Preise ab 2021

Hinzu kommt eine zeitliche Lücke zwischen Planung und Vergabe. Die ursprünglichen Baukosten wurden für den Baubeschluss im Jahr 2015 berechnet. Beauftragt wurden Bauleistungen aber erst ab 2021. In der Zwischenzeit sind die Baupreise unter anderem durch Inflation, Energiekrise und weitere Faktoren gestiegen.

  • Weitere Mehrkosten nennt die Verwaltung bei Ingenieurleistungen und bei Ausgaben, die im Zusammenhang mit Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss entstanden sind. Dieser Block wird mit zusätzlich 18,4 Millionen Euro beziffert.
  • Zusätzliche 5,1 Millionen Euro entstanden laut Mitteilung unter anderem durch Bodenaustausch, Baum- und Wurzelschutz, außerplanmäßige Verkehrssicherungen sowie Arbeiten wegen zuvor unbekannter Kabel- und Leitungsverläufe.
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Bauzeit soll bis Ende 2028 laufen

Nach aktueller Planung endet die Bauzeit Ende 2028. Die Inbetriebnahme der Stadtbahn ist durch die KVB für 2029 geplant. Damit verschiebt sich das Projekt insgesamt um rund fünf Jahre.

➡️ Auch das verteuert die Maßnahme. Durch die längere Bauzeit steigen die Baunebenkosten, etwa für Ingenieurleistungen, Projektsteuerung, Bauüberwachung, Sachverständige, Rechtsberatung und Gutachten. Die Stadt beziffert diesen zusätzlichen Kostenblock auf 20,8 Millionen Euro.

Was auf der Bonner Straße geplant ist

Die 3. Baustufe verlängert die Nord-Süd-Stadtbahn von der Haltestelle Marktstraße über die Bonner Straße bis zum Verteilerkreis Süd. Die Strecke ist rund 2,1 Kilometer lang. Geplant sind vier neue Haltestellen.

Betroffen sind vor allem die Stadtteile Bayenthal und Marienburg. Der Rat hatte den Bau am 23. Juni 2015 beschlossen. Vorbereitende Arbeiten an Versorgungsleitungen liefen ab 2018, der Start der Hauptbaumaßnahme erfolgte Anfang 2022.

Finanzierung und offene Punkte

Bis einschließlich 2025 wurden nach Angaben der Stadt rund 85,5 Millionen Euro des städtischen Anteils finanziert. Fördermittel in Höhe von 48 Millionen Euro seien bewilligt. Weitere 45 Millionen Euro wurden zusätzlich beantragt.

Die Verwaltung betont zugleich, dass die aktuelle Kostenentwicklung auf dem derzeitigen Sachstand beruht. Eine abschließende Bewertung sei erst möglich, wenn alle Nachträge geprüft und laufende Verhandlungen abgeschlossen sind. Ab 2026 sollen weitere Gewerke schrittweise ausgeschrieben werden. Dabei können sich die Kosten noch ändern oder: erhöhen.

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