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11.11. in Köln

Das ist die Polizei-Bilanz zum 11.11. in Köln

Es war der erwartete Massenansturm: Zum Karnevalsauftakt am 11.11. waren hunderttausende Jecken in Köln in der gesamten Stadt unterwegs. Die Stadt Köln hatte im Vorfeld die Zülpicher Straße und die Altstadt eingezäunt. An beiden Bereichen mussten die Eingange früh am Vormittag bereits geschlossen werden, weil alles voll war. Am Nachmittag entspannte sich die Situation dann wieder etwas. Auch auf dem Bahnhofsvorplatz, Chlodwigplatz und vielen anderen Orten in der City säumten Jecken das Straßenbild. (Fotos: Jürgen Paffenholz)

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Zehntausende junge Leute feierten derweil rund um die Uni. Weil die Uni-Wiesen als Ausweichfläche für die Zülpicher Straße ebenfalls schnell voll war, wurde es im Grüngürtel und am Aachener Weiher schnell immer voller. Es waren die zu erwartenden Bilder: Schunkelnde Jecken in der Altstadt. Rappelvolle Kneipen überall in der Stadt. Und junge Leute mit viel Alkohol rund um die Zülpicher Straße bis zum Aachener Weiher.

Der Sessions-Auftakt am Tanzbrunnen war mit 12.000 Besuchern ausverkauft. Tausende feierten außerdem in der Lanxess Arena.

Einsätze tagsüber am 11.11. in Köln

80 Mal musste Jugendliche ihren Alkohol entsorgen. Sie wurden vom Ordnungsdienst der Stadt Köln erwischt, obwohl sie noch keinen Alkohol mitführen durften. Der Ordnungsdienst der Stadt erwischte tagsüber außerdem 173 Wildpinkler. Hierfür werden bis zu 200 Euro fällig. Ein teures Klo.

Vom Heumarkt aus mussten zehn Leute ins Krankenhaus gebracht werden. Vom Kwartier Latäng aus waren es über 60. Viele weitere mussten vor Ort versorgt werden.

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Polizei muss Hauptbahnhof am Abend absperren

Am Nachmittag musste die Polizei am Aachener Weiher zu einer Schlägerei zwischen 10 Personen anrücken. Dabei gab es laut Polizei mindestens eine blutige Nase. Am Abend wurde der Hauptbahnhof wegen Überfüllung durch die Polizei zeitweise gesperrt, konnte am späten Abend aber wieder freigegeben werden.

Bis zum späten Samstagabend (21 Uhr) sprach die Polizei 63 Platzverweise aus. 26 überwiegend alkoholisierte Personen verbringen den Rest der Nacht im Polizeigewahrsam. Bis 21 Uhr fertigten die Beamten nach vorläufigen Erkenntnissen bislang 96 Strafanzeigen, davon überwiegend wegen Körperverletzungsdelikten, Taschendiebstahls und Sexualstraftaten. Die Polizisten nahmen zwei Tatverdächtige vorläufig fest.

Weitere Polizei-Einsätze am 11.11. in Köln

  • Gegen 12.20 Uhr schritten Polizisten auf der Zülpicher Straße ein, als ein junger Mann (18) mehrfach versuchte, eine 17-Jährige gegen ihren Willen zu küssen. Der 18-Jährige leistete erheblichen Widerstand, biss einen Polizisten in die Hand und versuchte, ihm die Waffe zu entreißen – Strafanzeige, Polizeigewahrsam.
  • Gegen 18 Uhr stürzte ein 20-Jahre alter E-Scooter-Fahrer mit rund 1,2 Promille auf der „Ulrepforte“ und erlitt schwere Gesichtsverletzungen. Ein Rettungswagen brachte ihn in ein Krankenhaus, wo ihm Polizisten eine Blutprobe entnehmen ließen.
  • Am Neumarkt bewarfen bislang unbekannte Feiernde um 14.20 Uhr einen Autofahrer nach einem Streit mit einer Glasflasche, wodurch dieser mehrere Schnittverletzungen im Gesicht und am Hals erlitt.
  • Gegen 18.30 Uhr identifizierten Polizisten nach Zeugenhinweisen einen 20-Jahre alten Mitarbeiter eines beauftragten Sicherheitsdienstes, der im Verdacht steht, Bargeld für den Einlass zur Zülpicher Straße verlangt zu haben. Die Beamten stellten mehrere Tausend Euro bei ihm sicher. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
  • Bis 21 Uhr stellten die Einsatzkräfte 40 alkoholisierte 40 E-Scooter-Fahrer fest und ließen bei 24 von ihnen Blutproben entnehmen. Bei Zehn war der Wert so hoch, dass die Polizisten die Führerscheine beschlagnahmten.

Die Reaktionen auf den Massenansturm sind derweil sehr unterschiedlich: Besonders ältere Menschen meiden die Altstadt am 11.11., weil sie nicht in alkoholgeschwängerte Menschenmassen mit Agressionspotenzial kommen möchten. Auf die Zülpicher Straße geht ohnehin nur ein junges Publikum. Viele, die nicht mehr in die Stadt gehen, argumentieren, dass dies mit ursprünglichen Karneval nichts mehr zu tun habe.

Wie erlebten die Jecken selbst den 11.11. in der Stadt? Hier sind einige Eindrücke, auf Nachfrage über die Verliebt in Köln Facebook-Seite:

  • „Bombastisch“ sei es am Tanzbrunnen gewesen, schrieb Tamara: „Bei uns war alles friedlich und alle haben schön zusammen gefeiert.“
  • Janette schreibt: „Am Chlodwigplatz habe ich angefangen, über Severinstraße zum Hbf, über die Domplatte bis runter in die Altstadt. Keine einzige Schlägerei, Pöbelei, keine kotzende, keine Grabscher, nix. Das Gegenteil: Überall nur fröhliche Jecke, die friedlich feiern.“
  • Jenny schreibt: „Überall Schlangen für sonst offene Plätze, die plötzlich nur mit Tickets und ganz ohne Getränke und Essen zugänglich waren. Sonst überall nur betrunkene Jugendliche/junge Erwachsene in Gruppen in der Stadt unterwegs, die mehr Spaß am Trinken als am Singen und Tanzen hatten, nirgends diese typische kölsche Art, wo alle so offen für neue Menschen sind und man mit wildfremden Menschen singt, tanzt, anstößt und feiert. Das ist nicht der Karneval wie ich ihn kenne und worauf ich mich gefreut hatte.“
  • „Im Wiener Steffies wars super. Das erste Mal am 11.11. In Köln und zufrieden.“ Jenny
  • „Super Start in den Tag, tolle Stimmung, die Bands hatten augenscheinlich richtig Bock…leider war es während der Veranstaltung sehr langwierig Getränke zu ergattern. Da ist eindeutig noch Luft nach oben!“ Martina zur Veranstaltung „Jecke 11“ in der Lanxess Arena.
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3 Kommentare

  • Christiane Rath

    Mir gefällt die Zülpicher Straße auch nicht, zumal ich genau dort wohne. Aber dass der heutige Karneval nichts mehr mit dem eigentlichen wunderbaren Karneval von früher zu tun hätte, das stimmt nicht. Meine Mutter (93) hat ihn damals mitgefeiert und erzählt auch die übelsten Geschichten, zumal zu der Zeit auch noch auf den Rosenmontagswagen gesoffen wurde bis zum… Und wenn man mal schaut, was hier vor den Preußen los war, dann erscheinen einem die Jugendlichen auf der Zülpi fast lieblich. Schlimm sind die Glasscherben überall – die Armen von der AWB!!!

  • Vielleicht sollte man den Bericht nicht dem Begriff „ Jecke „ schreiben, sondern eher mit „ Imis „ ,, und die keinen Sinn mehr dafür haben, was es eigentlich heißt, Karneval zu feiern. Eine Freundin berichtet, im Zug nach Köln über Komasaufen und lauter Technomusik.
    Ich bleibe mittlerweile an solchen Tagen leider !!!!! zu Hause, weil ich für diese Art feiern kein Verständnis mehr habe. Als Kölnerin tut mir das in der Seele weh.

  • Sonja Flatow

    na geht doch. Freut uns sehr, dass auch friedlich – bis auf Ausnahmen – gefeirt werden kann. Sonja Flatow

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