Das verborgene Leben der Schildkröten mitten in Köln

Sie steht ganz bequem auf einem Ast, der aus dem Decksteiner Weiher herausragt und streckt sich der Sonne entgegen: Wo man sonst eher Enten und Schwäne sieht, ist das hier – genau – eine Schildkröte, die in freier Wildbahn mitten in Köln zu sehen ist.

„Ich weiß nicht, wie viele 1000 Kilometer ich am Decksteiner Weiher schon gegangen bin, aber eine Schildkröte hab ich noch nie gesehen“, schrieb Inge Linke dazu, die diese Foto in unsere kölsche Foto-Gruppe auf Facebook gestellt hat.

Gibt es nun auch Schildkröten in Köln?

Das Phänomen von Schildkröten ist in Köln nicht ganz neu. Besonders in den Kölner Weihern sind in den vergangenen Jahren immer wieder Schildkröten aufgetaucht. Ihr natürlicher Lebensraum ist das natürlich nicht. Bei diesen Schildkröten handelt es sich fast immer um Exemplare, die von ihren Besitzern ausgesetzt worden sind.

Trotzdem haben sie sich zuletzt auch an die Bedingungen in den Weihern der Stadt angepasst, etwa dem Aachener Weiher, am Ebertplatz oder eben am Decksteiner Weiher.

In den vergangenen Jahren haben Mitarbeiter der Stadt Köln beim Säubern von Weihern immer mal wieder lebende Schildkröten entdeckt. Eine Gefahr für das Ökosystem geht von den Schildröten nicht direkt aus, deshalb unternimmt die Stadt auch nichts gegen Schildkröten.

Hier geht die Schildkröte ganz gemütlich über einen Ast am Decksteiner Weiher. Foto: Inge Linke

Wer Schildkröten aussetzt, muss mit hohem Bußgeld rechnen

Es ist aber schon traurig zu sehen, dass es Menschen sind, die sich ihrer Verantwortung für ein Tier entledigen, indem sie es einfach aussetzen. Bei den Schildkröten kommt hinzu, dass sie sehr alt werden können und nicht nach 5, 10 oder 15 Jahren sterben.

Und die Besitzer unterschätzen ihr Wachstum. Beispiel Rotwangenschmuckschildkröten: Wenn Besitzer sie kaufen, sind sie nur wenige Zentimeter groß. Mit der Zeit werden sie aber immer größer und haben irgendwann Tellergröße erreicht.

Übrigens: Wer Tiere aussetzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem im Einzelfall hohen Bußgeld rechnen.

Wenn es nun wärmer wird, sieht man die Tiere häufiger, weil sie sich sonnen. Die Wärme benötigen sie für ihren Stoffwechsel. Die Fotos zeigen also eine sehr typische Pose. Mit etwas Glück kann man also auch künftig Schildkröten in freier Wildbahn Köln entdecken.

Wo es außerdem Schildkröten rund um Köln gibt

Im Beitrag zu den Schildkröten in unserer Facebook-Gruppe berichten viele Mitglieder von weiteren Sichtungen rund um Köln: Der Teich im Brühler Schlosspark etwa sei voll mit Schildkröten. Auch im Kölner Volksgarten und am Otto-Maigler-See in Hürth kann man Schildkröten in freier Wildbahn beobachten.

Mehr über ungewöhnliche Tiere in Köln in freier Wildbahn lest ihr hier:

5 ungewöhnliche Tiere, die in Köln in freier Wildbahn leben

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Über den Decksteiner Weiher

Der Decksteiner Weiher ist kein natürliches Gewässer, sondern wurde zwischen 1927 und 1929 angelegt, als der Grüngürtel in Köln geschaffen wurde, der bis heute die Erholungslandschaft in Köln prägt. Das Gelände war zuvor Teil des ehemaligen Festungsrings um die Stadt. Das Gewässer (20 Hektar) ist laut Stadtentwässerungsbetriebe 1,10 Meter tief. Unter anderem leben auch Barsche, Hechte, Rotaugen und Zander im Decksteiner Weiher.

Bis zum 2. Weltkrieg bestand der Untergrund des Decksteiner Weihers aus 5×5 Meter großen Betonplatten. Nach den Zerstörungen der Platten im Krieg wurde der Untergrund mit Ton abgedichtet.

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