Für die meisten Kölner wird dieses Bauwerk für immer unsichtbar bleiben. Und doch zählt es zu den wichtigsten Lebensadern der Stadt. Weitgehend unbemerkt von vielen Bürgern der Stadt wurde 2025 ein neuer Tunnel unter dem Rhein gegraben.
In einem Video der Stadtentwässerungsbetriebe konnte man nun sehen, wie die neue Riesen-Röhre (über 3 Meter Durchmesser, 25 Meter unter dem Rhein) von innen aussieht. Hintergrund: Im November haben die Steb einen Trompeter in den Tunnel geschickt, der dort das Steigerlied spielte – es war auf der gesamten Länge von über 900 Metern zu hören. (Screenshot: StEB/Instagram)
Worum geht es in dem Projekt? Tief unter dem Rhein, zwischen Niehl und Stammheim, entsteht derzeit Kölns neuer Rheindüker: ein Tunnel, der künftig den Großteil des linksrheinischen Abwassers sicher unter dem Fluss hindurch zum Großklärwerk Stammheim leitet. Über 900 Meter lang, mehrere Meter hoch – und entscheidend für die Abwasserentsorgung von rund 1,3 Millionen Menschen.
Neue Lebensader für Köln
Gebaut wird hier nichts weniger als das Rückgrat der Kölner Kanalisation. Die bisherigen Düker stammen aus dem Jahr 1928. Fast ein Jahrhundert lang haben sie ihren Dienst getan, doch sie sind den heutigen Anforderungen einer wachsenden Stadt nicht mehr gewachsen.
- Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB) investieren deshalb rund 110 Millionen Euro in den Ersatzneubau – eine Maßnahme, die sie selbst als „Jahrhundertinvestition“ bezeichnen.
Zwei Röhren unter dem Rhein
Der Rheindüker besteht aus zwei großen Röhren, die 15 bis 25 Meter unter der Rheinsohle verlaufen. Sie verbinden den linksrheinischen Kölner Norden mit dem rechtsrheinischen Großklärwerk Stammheim, das mehr als 80 Prozent des Kölner Abwassers reinigt.
Der Grund für diese Konstruktion: Der überwiegende Teil des Abwassers fällt linksrheinisch an, das leistungsfähigste Klärwerk der Stadt liegt jedoch auf der rechten Rheinseite.
Die alten Röhren hatten Durchmesser von 1,25 und 1,85 Metern und eine Länge von rund 470 Metern. Die neuen Dimensionen fallen deutlich größer aus: Eine der neuen Röhren misst 2,0 Meter, die andere sogar 3,2 Meter im Durchmesser.
Insgesamt können sie rund 50 Prozent mehr Abwasser transportieren als die bisherigen Düker.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Tunnelbau im Rohrvortrieb
Gebaut wird der neue Rheindüker im sogenannten Rohrvortriebsverfahren. Vom Startschacht in Stammheim aus arbeitet sich eine Tunnelbohrmaschine hydraulisch durch das Erdreich unter dem Rhein.
- Ein rotierender Bohrkopf fräst sich dabei kontinuierlich voran, während hinter ihm die Tunnelröhre entsteht. Der eigentliche Vortrieb beginnt im Frühjahr 2025.
Nach Abschluss der Bohrarbeiten folgen der Einzug der Abwasserrohre mit einem Innendurchmesser von DN 3200, der Bau der Schachtbauwerke sowie die technische Ausstattung. Die Inbetriebnahme des neuen Rheindükers ist für das Jahr 2028 geplant.
Ein Tunnel, den man betreten kann
Ein großer Unterschied zu den alten Anlagen: Der neue Düker ist begehbar. Während bislang Taucher eingesetzt werden mussten, um die Röhren auf Schäden zu überprüfen, sollen künftig Kameras und Inspektionen zu Fuß möglich sein. Das erhöht die Sicherheit und vereinfacht Wartung und Kontrolle erheblich.
Auch technische Probleme der alten Anlage werden damit gelöst. Die bisherigen Röhren liegen sehr nah an der Rheinsohle und könnten theoretisch durch ausgeworfene Schiffsanker beschädigt werden. Zudem führte eine zu kleine Entlüftung in der Vergangenheit immer wieder zu Geruchsproblemen im Bereich Niehl. Der neue Rheindüker ist deutlich tiefer und technisch auf dem neuesten Stand.
Mehr Steuerung, mehr Sicherheit
Durch eine moderne hydraulische Steuerung lässt sich künftig die Auslastung des Klärwerks Stammheim besser regeln. Das macht die gesamte Abwasserbehandlung effizienter und robuster – gerade bei Starkregen oder wachsenden Abwassermengen.
StEB-Vorständin Ulrike Franzke spricht von einem Bauwerk „mit Wirkung für Generationen“. Der neue Düker sei ein zentrales Element der langfristigen Investitionen in Kölns Wasserinfrastruktur. Bis 2035 wollen die StEB insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro in Kanäle, Klärwerke und Gewässerschutz investieren.
Was passiert mit den alten Röhren?
Die bisherigen Düker aus dem Jahr 1928 werden nicht sofort zurückgebaut. Sie bleiben zunächst erhalten und könnten künftig für andere Zwecke genutzt werden – etwa für den Transport von Klärschlamm. Geplant ist, in den alten Röhren eine Druckleitung zu verlegen.
Der verbleibende Hohlraum soll anschließend vollständig mit Beton verfüllt werden, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten.
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