Olympische Spiele Köln

Olympia in Köln: Wie die Spiele finanziert werden sollen

Soll sich Köln gemeinsam mit der Region Rhein Ruhr für Olympische Spiele bewerben? Zu dieser Frage können alle Kölner bis Mitte April abstimmen. In dieser Woche sind ihnen die Briefwahlunterlagen zum Ratsbürgerentscheid zugestellt worden.

Eine Frage taucht dabei immer wieder auf: Wie will Köln das eigentlich finanzieren in Zeiten, wo der Haushalt der Stadt derzeit jedes Jahr ein Defizit im dreistelligen Millionenbereich aufweist? Diese Frage treibt viele Kölner derzeit (durchaus zurecht) um.

Viele Kölner haben zudem den Glauben daran verloren, dass die Stadtverwaltung Großprojekte seriös schultern kann. Zu tief sitzen bei den Menschen die Enttäuschung über Oper, Nord-Süd-Bahn oder Mülheimer Brücke, wo hunderte Millionen Steuergelder verpulvert wurden.

Wie sollen Olympische Spiele in Köln finanziert werden?

Die Bewerbung „KölnRheinRuhr“ für Olympische und Paralympische Spiele basiert auf einem mehrstufigen Finanzierungsmodell. Während die eigentliche Durchführung der Spiele laut Planung ohne zusätzliche Belastung öffentlicher Haushalte auskommen soll, müssen die Kosten für die Infrastrukturkosten von öffentlichen Geldern getragen werden.

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Drei Arten von Kosten

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterscheidet bei Olympischen Spielen drei Kostenbereiche:

  • Bewerbungskosten für Konzepte, Gutachten und Kampagnen
  • Durchführungskosten für Organisation und Ablauf der Spiele
  • Investitionskosten für Infrastruktur wie Verkehr, Digitalisierung oder Sportstätten

Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil die Finanzierung jeweils unterschiedlich organisiert ist.

Durchführung: Einnahmen sollen Kosten decken

Für die Durchführung der Spiele kalkuliert der DOSB aktuell mit Kosten von rund 4,8 bis 4,9 Milliarden Euro. Diese sollen vollständig durch Einnahmen gedeckt werden – vor allem aus:

  • Sponsoring
  • Ticketverkäufen
  • Vermarktungsrechten
  • Zuschüssen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)

Den Ausgaben stehen prognostizierte Einnahmen von etwa 5,2 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Überschuss im Bereich mehrerer hundert Millionen Euro.

Öffentliche Mittel wären nach diesem Modell nur in begrenztem Umfang vorgesehen, etwa für Sicherheitsmaßnahmen und medizinische Versorgung im öffentlichen Raum.

Hat die Stadt da finanziell etwas von? Eher nicht, denn das IOC macht die Spiele natürlich, um selbst Geld zu kassieren, ähnlich wie die FIFA die WM.

Infrastruktur: Kostenverteilung noch unklar

Anders sieht es bei den Investitionskosten aus. Diese betreffen langfristige Maßnahmen wie den Ausbau des Nahverkehrs, die Modernisierung von Anlagen oder digitale Infrastruktur. Eine Gesamtsumme liegt bislang nicht vor.

Fest steht: Diese Kosten würden nicht allein von der Stadt Köln getragen, sondern gemeinsam finanziert von:

  • dem Land Nordrhein-Westfalen
  • dem Bund
  • sowie den beteiligten Kommunen, darunter Köln

Wie hoch der jeweilige Anteil ausfällt, ist derzeit offen. Ein gewichtiger Anteil dürfte hier vom Land und dem Bund kommen.

Die Bewerbung setzt darauf, möglichst viel bestehende Infrastruktur zu nutzen. Nach aktuellem Konzept sollen alle Sportstätten entweder bereits vorhanden sein oder temporär errichtet werden.

Dauerhafte Neubauten sind nur in Ausnahmefällen vorgesehen, etwa beim Olympischen Dorf, das später als Wohnraum genutzt werden soll.

Zugleich wird argumentiert, dass viele dieser Investitionen ohnehin notwendig seien und unabhängig von Olympia anstehen würden – etwa im Bereich Verkehr oder Digitalisierung. Wie teuer hier aber auch einfache Projekte werden, hat man zuletzt an den Ausbauplänen der KVB-Haltestelle am RheinEnergieStadion gesehen. Hier stehen Kosten bis zu 40 Mio. Euro im Raum.

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Bewerbung: Millionenkosten im Vorfeld

Auch die Bewerbung selbst verursacht Kosten:

  • Rund 3,5 Millionen Euro für Konzept und Kampagne auf Landesebene
  • Etwa 300.000 Euro für Maßnahmen in Köln
  • Rund 1,82 Millionen Euro für den Ratsbürgerentscheid in Köln, davon etwa 274.000 Euro aus dem städtischen Haushalt

Bund und DOSB beteiligen sich ebenfalls an der Finanzierung des Bewerbungsprozesses.

Finanzierungsmodell trifft auf angespannte Haushaltslage

Die Diskussion über Olympia findet vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Haushalte statt. Viele Kommunen stehen unter finanziellem Druck, gleichzeitig steigen Kosten für Bauprojekte und Infrastruktur.

Vor diesem Hintergrund richtet sich ein Teil der Kritik weniger gegen das Organisationsbudget der Spiele selbst, sondern gegen mögliche Folgekosten:

  • Infrastrukturprojekte sind häufig von Kostensteigerungen betroffen
  • Einnahmenprognosen können sich im Laufe der Zeit verändern
  • ein Teil der finanziellen Last könnte langfristig bei der öffentlichen Hand verbleiben

Befürworter der Spiele argumentieren, dass die Spiele besonders mit Blick auf Investitionen eine Art Konjunkturprogramm sind. Denn so würden viele Projekte angeschoben, die ansonsten wohl eher auf die lange Bank geschoben worden wären.

Welche Sichtweise die Kölner überzeugen wird, wird man nach dem Ratsbürgerentscheid im April sehen. Fällt der negativ aus, ist die Bewerbung für Köln erledigt.

Zum Thema: Diese 8 Olympia-Disziplinen sollen in Köln stattfinden

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