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Jean Löring

Jean Löring: Der letzte Patriarch des deutschen Fußballs kam aus Köln

„Ich als Verein musste reagieren.“ Dieser Satz von Jean Löring sagte so ziemlich über ihn und das Verhältnis zu seiner Fortuna aus. Kein anderer Vereinsboss in Deutschland lebte seinen Klub so sehr wie er. Er zahlte Gehälter aus eigener Tasche, sprang ein, wenn das Geld knapp wurde, und wurde selbst zum Trainer, wenn es nicht lief.

Sein „Vereinche“, wie er Fortuna Köln liebevoll nannte, war für ihn wichtiger als alles andere. Während andere Präsidenten in der Bundesliga Millionen investierten, um Titel zu gewinnen, investierte Löring Millionen, um Fortuna Köln am Leben zu halten. Über 15 Millionen Euro soll er in den Verein gesteckt haben – für neue Spieler, für die Jugendabteilung, für eine Zukunft, die ohne ihn nicht denkbar war. (Foto: IMAGO / Horstmüller)

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Vom Elektriker zum „Schäng“

Geboren als Hans Löring in Köln, lernte er Elektriker, machte seinen Meister und baute später ein kleines Imperium aus neun Unternehmen auf. Doch seine eigentliche Leidenschaft galt immer dem Fußball. In den 50er- und 60er-Jahren spielte er selbst als Verteidiger, erst für Preußen Dellbrück, dann für Alemannia Aachen. Seine aktive Karriere endete früh – aber sein Einfluss auf den Fußball fing da erst an.

1966 übernahm er Fortuna Köln, damals noch ein Verein aus der Bezirksliga. Unter seiner Führung stieg die Fortuna alle zwei Jahre auf, bis sie 1973 in die Bundesliga kam. Der Traum dauerte nur eine Saison, doch in der 2. Liga wurde die Fortuna eine feste Größe. 26 Jahre hielt er den Klub in der zweithöchsten Spielklasse – auch, weil er selbst die Rechnungen oft selbst bezahlte.

Große Erfolge, große Gesten

Löring war ein Mann der großen Gesten. Zum Bundesliga-Aufstieg schenkte er dem Kölner Zoo einen Geparden – natürlich mit dem Namen „Fortuna“. Bei den Spielen seiner Mannschaft stand er oft am Spielfeldrand, als würde er am liebsten selbst mitspielen. 1983 führte er Fortuna Köln ins DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Köln, ein Stadtduell, das Fußballgeschichte schrieb.

Er entließ Toni Schumacher als Trainer in der Halbzeitpause – weil ihm die erste Hälfte nicht gefallen hatte. Er reparierte das Flutlicht in der Halbzeit selbst. Er war einer, der nichts berechnete, sondern aus dem Bauch heraus handelte.

Ein Mann gibt alles – bis nichts mehr übrig ist

Doch irgendwann geriet sein Imperium ins Wanken. 2000 kamen die ersten finanziellen Probleme, 2001 war sein Unternehmen pleite. Damit fiel auch sein Lebenswerk auseinander. Fortuna Köln war hoch verschuldet, sein Vermögen aufgebraucht, sein Schloss wurde zwangsversteigert.

Kurz vorher hat er noch miterlebt, wie Fortuna Köln die ersten Stadtderbys in der 2. Liga gegen den 1. FC Köln Ende der 90er-Jahre für sich gewann. Es waren die letzten ganz großen Spiele für Fortuna – und für Jean Löring.

Von dem Mann, der Millionen in seinen Verein investierte, blieb am Ende nur noch die Liebe zum Fußball. Krank und zurückgezogen erlebte er, wie sein Verein in die Bedeutungslosigkeit abstürzte.

Aus dem Verliebt in Köln-Shop:

Fortuna-Fans erinnern sich

Zu seinem 20. Todestag erinnerten sich auf der Facebook-Seite von Fortuna Köln zahlreiche Fans an persönliche Anekdoten:

  • Als er die Fortuna nicht mehr unterstützt hat ging es finanziell bergab. Als Teamleiter einer Inkassoabteilung konnte ich einen meiner Sachbearbeiter gerade noch davon abhalten, gegen die Fortuna zu vollstrecken. Noch heute habe ich die Worte des „alten“ Fortuna-Kassierers im Ohr: „Jung, wat bin ich froh, dat du ’ne Fußballer bis!“ (Hans)
  • Er verstarb am Geburtstag des Trainers, den er einst in einer Halbzeitpause feuerte. (Jürgen)
  • Ich habe in meiner Ausbildungszeit bei Ihm und seiner Frau in Nideggen Rath gearbeitet und Ihn als sehr sympathisch kennengelernt. (Utz)
  • Er hat mit Begleitung seiner Ehefrau auf der Severinstr. auch die fremden Menschen gegrüßt und mit Kopf nett geknickt. (Kiamarz)

Die Legende bleibt

Am 6. März 2005 starb Jean Löring an Darmkrebs. Ohne Geld, aber mit einer Geschichte, die in Köln niemand vergessen wird. Sein Verein, seine „Fortuna“, existiert weiter.

Heute erinnert eine Gedenktafel am Klubheim an ihn. Und wer Fortuna Köln heute spielen sieht, kann sicher sein: Irgendwo da oben raucht Jean „Schäng“ Löring eine Kippe und guckt zu.

  • Jean Löring ist auf dem Kölner Südfriedhof begraben (Flur 21).
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