Nach über 15 Jahren im Sitzungskarneval ist für Ingrid Kühne Schluss mit dem Karneval. Bereits im April 2025 hatte sie ihren Abschied vom Karneval in einem Video angekündigt und dabei klare Worte zu vielen Veranstaltungen gefunden.
Ingrid Kühne, bekannt als schlagfertige Rednerin und humorvolle Beobachterin des Alltags, hat damals in einer sehr persönlichen Videobotschaft ihren Abschied vom Sitzungskarneval verkündet. Ein Schock für viele Fans – und doch ein Schritt, der für die Künstlerin längst überfällig war. (Foto: Imago / Future Image)
In den Tagen des Straßenkarnevals nun fiel für Ingrid Kühne der letzte Vorhand im Karneval. Einen Höhepunkt gab es für die Künstlerin noch einmal an Rosenmontag: Auf dem Wagen der Große Kölner fuhr sie mit auf dem Wagen im Rosenmontagszug.
„Es fühlt sich immer noch richtig an, aber auch komisch. Erstens weiß ich nicht, wie es für mich nächstes Jahr ohne Karneval sein wird. Zweitens weiß ich nicht, ob alle meine Entscheidung verstehen oder zumindest respektieren können“, schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite vor ihrem letzten Auftritt.
Warum tritt Ingrid Kühne nicht mehr im Sitzungskarneval auf? „Ich höre nicht auf mit der Bühne, nur mit dem Karneval“, sagte Kühne bereits im April. Ihre Solo-Programme will sie weiterhin mit voller Leidenschaft spielen – dort, wo das Publikum zuhört. Denn genau daran mangele es im Sitzungskarneval zunehmend, so ihre deutliche Kritik.
„Du schreist dir die Seele aus dem Leib – und keiner hört zu“
Ingrid Kühne sparte in ihrer Erklärung nicht mit klaren Worten. Sie schildert, wie anstrengend der Sitzungskarneval körperlich und seelisch ist: wenig Schlaf, lange Autofahrten, Dauerbelastung für Körper und Stimme. In der vergangenen Session habe sie mit einer schweren Grippe und einer hartnäckigen Entzündung im Sprunggelenk durchgehalten – aber auch erkannt: „Es geht so nicht mehr.“
Besonders frustriert zeigt sie sich über den mangelnden Respekt, den viele Veranstaltungen – sie betont: nicht alle – den Rede-Künstlern auf der Bühne entgegenbringen: „Du stehst auf der Bühne und keiner hört dir zu. Kellner brüllen Bestellungen, Gäste spielen Karten, schreien, singen, verleihen Orden. Und du versuchst, Menschen zum Lachen zu bringen.“ Solche Abende, so Kühne, seien für sie kein Karneval mehr.
Ein Abschied mit Rückgrat – und mit Tränen
Dass sie mit dem Karneval aufhört, sei keine spontane Entscheidung. „Den Gedanken trage ich schon lange in mir“, sagt sie im April 2025. Ursprünglich wollte sie noch ein paar Jahre dranhängen – doch ihre Gesundheit und das Bedürfnis nach mehr Zeit für ihre Familie, insbesondere ihre Mutter, hätten den Ausschlag gegeben.
„In der Session läuft das restliche Leben auf Sparflamme“, erzählt sie. Als ihre Mutter mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus musste, habe sie das zu spät bemerkt – ein Moment, der sie zum Umdenken brachte.
Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Gleichzeitig blickt Ingrid Kühne voller Dankbarkeit auf ihre Karriere zurück. Sie erinnert sich an ihre Anfänge – an eine Zeit, in der Frauen als Rednerinnen auf der Karnevalsbühne noch eine Ausnahme waren. Sie nennt mit Respekt die Gesellschaften, die sie früh gefördert haben.
„Ich will so bleiben, wie ich bin“
Für Ingrid Kühne steht fest: Der Karneval hat ihr Leben geprägt – aber er darf es nicht mehr dominieren. Sie möchte weiterhin Freude verbreiten, aber auf ihre Weise. In ihren Solo-Shows, in denen zugehört und gelacht wird, nicht gebrüllt. In denen Geschichten wirken dürfen – ohne dass jemand dazwischen grölt.
Dass dieser Abschied ihr schwerfällt, macht sie mehr als einmal deutlich. Sie kämpft mit den Tränen, wenn sie an ihre letzten Sitzungen denkt. Und doch sagt sie: „Es fühlt sich gerade sehr richtig an.“
Ingrid Kühne bleibt dem Publikum erhalten – als Kabarettistin, als Geschichtenerzählerin, als starke Stimme für echte Bühnenkunst.
Und wie sie erklärte, wird sie auch weiterhin auf Karnevalsveranstaltungen zu sehen sein. Allerdings als Gast und nicht mehr auf der Bühne: „Mein Herz hat immer für den Karneval geschlagen und so wird es auch weiterhin sein.“
Und sie geht mit einem Satz, der viel über ihre Haltung verrät: „Ich habe einfach angefangen, auf das Wichtigste in meinem Leben zu hören: auf mich.“



