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Rheinpfeil

Mit 65 km/h über den Rhein: Die Geschichte des Kölner Rheinpfeils

Wer heute am Rhein steht und den Ausflugsschiffen zuschaut, kann sich kaum vorstellen, welches ungewöhnliche Gefährt hier einmal unterwegs war: Der Rheinpfeil raste mit bis zu 65 Kilometern pro Stunde über den Fluss.

Das Schiff fuhr für die Köln-Düsseldorfer – und sah dabei eher aus wie eine Mischung aus Flugzeug und Schnellboot als wie ein klassischer Rheindampfer. Das Besondere: Bei voller Fahrt lag der Rheinpfeil nicht mehr mit seinem gesamten Rumpf im Wasser. Das Schiff hob sich auf sogenannten Tragflügeln aus dem Rhein und schien regelrecht über das Wasser zu fliegen. (Foto: Rolf Heinrich CC BY-SA 3.0)

Für viele Kölner, die damals einmal mitfahren konnten, dürfte eine Fahrt deshalb bis heute unvergessen sein.

Der Rheinpfeil kam aus der Sowjetunion

Die Geschichte beginnt Anfang der 1970er-Jahre. Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt wollte den schnellen Personenverkehr auf dem Rhein ausprobieren und bestellte ein Tragflügelboot des sowjetischen Typs „Raketa“. Gebaut wurde es in Feodossija. Anschließend gelangte das Boot zunächst nach Rotterdam und von dort auf einem Schubleichter nach Köln. Im Niehler Hafen wurde der Rheinpfeil für seinen Einsatz vorbereitet.

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1972 nahm die KD das spektakuläre Boot in Betrieb. Die Reederei nennt für den Rheinpfeil eine Höchstgeschwindigkeit von rund 65 km/h. Sobald das Schiff genügend Geschwindigkeit erreicht hatte, hoben die Tragflächen den Rumpf aus dem Wasser.

Köln–Koblenz dreimal am Tag

Ab dem 24. Mai 1972 fuhr der Rheinpfeil zunächst planmäßig zwischen Köln und Koblenz. Dreimal am Tag ging es in jede Richtung. Gerade einmal 64 Passagiere fanden an Bord Platz. Wer mitfahren wollte, musste sich deshalb vorher anmelden. Für die Fahrt wurde außerdem ein zusätzlicher Zuschlag erhoben.

Später wurde die Strecke immer weiter verlängert: zunächst Richtung Boppard und St. Goar, schließlich bis nach Mainz. Zeitweise reichte das Einsatzgebiet sogar bis Düsseldorf. Ab 1983 fuhr der Rheinpfeil vor allem die Strecke Köln–Mainz–Köln.

In gut vier Stunden von Köln nach Mainz

Heute dauert eine gemütliche Rheinfahrt von Köln durch das Mittelrheintal deutlich länger. Beim Rheinpfeil war der Weg selbst weniger das Ziel. Von Köln nach Mainz benötigte das Schiff rheinaufwärts ungefähr vier Stunden und 15 Minuten. In der Gegenrichtung half die Strömung: Von Mainz zurück nach Köln waren es rund drei Stunden und 40 Minuten.

Andere zeitgenössische Fahrplanangaben nennen rund vier beziehungsweise dreieinhalb Stunden. Klar ist: Für ein Fahrgastschiff auf dem Rhein war das enorm schnell.

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Warum der Rheinpfeil über das Wasser „flog“

Möglich wurde die Geschwindigkeit durch Tragflächen unter dem Schiff.

Im Stillstand hatte der Rheinpfeil einen Tiefgang von etwa 1,80 Metern. Mit zunehmender Geschwindigkeit erzeugten die Tragflächen Auftrieb. Der Rumpf wurde aus dem Wasser gehoben, der Wasserwiderstand sank erheblich und das Schiff bewegte sich schließlich nahezu nur noch auf seinen Tragflächen.

Während der schnellen Fahrt reduzierte sich der Tiefgang auf ungefähr 1,10 Meter.

Ein bisschen muss sich die Fahrt deshalb wie in einem Flugzeug angefühlt haben – und auch die Bestuhlung erinnerte daran. Im Innenraum standen einzelne Sitze ähnlich wie in einem Passagierflugzeug. Für ein großes Restaurant war kein Platz; an Bord gab es lediglich eine kleine Bar mit Getränken und Snacks.

27 Meter lang, 1.010 PS stark

Der Rheinpfeil war für seine Leistung erstaunlich kompakt. Er maß knapp 27 Meter in der Länge und lediglich fünf Meter in der Breite. Angetrieben wurde er von einem großen V12-Dieselmotor mit rund 1.010 PS. Die Besatzung bestand aus vier Personen.

Der Heimathafen des Schiffes war Köln. Wenn der Rheinpfeil nicht unterwegs war, lag er unter anderem im Niehler Hafen.

Die Technik hatte allerdings einen Haken

So beeindruckend der Rheinpfeil war: Zuverlässig war er nicht immer. Vor allem der Hochleistungsmotor bereitete regelmäßig Probleme. Schon 1973 musste der ursprüngliche Motor ausgetauscht werden. Während der rund 25-jährigen Einsatzzeit wurden nach Angaben zur Schiffsgeschichte insgesamt 13 Austauschmotoren bestellt.

Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb aus den rasanten Tragflügelbooten auf dem Rhein am Ende keine dauerhafte Erfolgsgeschichte wurde.

1996 absolvierte der Rheinpfeil seine letzte reguläre Saison. Weil sein vorgesehenes Nachfolgeschiff noch nicht fertig war, wurde er im April 1997 noch einmal eingesetzt. Nach einem erneuten Motorschaden war jedoch endgültig Schluss.

Und was wurde aus dem Rheinpfeil?

Das vielleicht Schönste an der Geschichte: Der Rheinpfeil wurde nicht verschrottet. 1998 wurde das Schiff verkauft. Ursprünglich sollte daraus ein Partyschiff werden. Das Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt und das ehemalige Kölner Tragflügelboot wechselte mehrfach den Besitzer.

2006 gelangte es in Privatbesitz und wurde schließlich zu einem Wohnschiff umgebaut. Seit 2008 trägt es den Namen „Raketa 72“. Das ehemalige schnellste Fahrgastschiff des Rheins landete schließlich in den Niederlanden und wurde unter anderem in Delft als Wohnschiff genutzt.

Aus dem futuristischen Schnellboot, das einst mit mehr als 60 km/h von Köln Richtung Mittelrhein schoss, wurde damit ein schwimmendes Zuhause. Und vielleicht ist genau das der schönste Schluss für dieses ungewöhnliche Stück Kölner Rheingeschichte.


Zahlen zum Rheinpfeil

Baujahr: 1972
Typ: Tragflügelboot „Raketa“
Heimathafen: Köln
Länge: 26,96 Meter
Breite: 5 Meter
Passagiere: 64
Motorleistung: rund 1.010 PS
Geschwindigkeit: rund 65 km/h
KD-Einsatz: 1972 bis 1997
Strecke: unter anderem Köln–Koblenz und später Köln–Mainz

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