Kleine neue Parks mitten in dicht bebauten Veedeln, begrünte Stadtplätze, zusätzliche Waldinseln und Wassernebel, der an besonders heißen Tagen für Abkühlung sorgt: Die Stadt Köln hat ein umfangreiches Programm vorgelegt, mit dem sie Köln in den kommenden Jahren besser auf Hitze, Trockenheit, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels vorbereiten möchte. (Grafik: Stadt Köln)
Insgesamt geht es um Investitionen von rund 150 Millionen Euro.
Die Pläne sind Teil des neuen „Integrierten Klimaanpassungskonzepts Köln“, kurz IKA Köln. Die Verwaltung hat das Konzept am 24. September 2026 in den Ausschuss Klima, Umwelt und Grün eingebracht. Beschlossen ist das Gesamtpaket damit allerdings noch nicht: Die Bezirksvertretungen werden beteiligt, die abschließende Entscheidung des Rates ist derzeit für den 10. Dezember 2026 vorgesehen.
Kleine Parks sollen mitten in dicht bebauten Veedeln entstehen
Eine der auffälligsten Maßnahmen sind sogenannte Pocket Parks. Dabei handelt es sich um vergleichsweise kleine Grünflächen, die dort entstehen können, wo für einen klassischen großen Park kein Platz vorhanden ist. Die Stadt möchte solche Parks vor allem in stark von Hitze belasteten Quartieren schaffen, in denen es bislang zu wenig Grün gibt.
Die kleinen Parks sollen gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Sie bieten Schatten und kühlere Aufenthaltsorte, verbessern die Grünversorgung im Veedel und können zugleich dabei helfen, Regenwasser vor Ort aufzunehmen.
Gerade dicht bebaute Stadtteile stehen dabei im Fokus. Welche Grundstücke und Plätze tatsächlich als neue Pocket Parks umgebaut werden, ist mit dem jetzigen Beschluss allerdings noch nicht endgültig festgelegt. Die konkrete räumliche Umsetzung soll in einem weiteren Aktionsplan erfolgen.
Dass neue Grünflächen tatsächlich für Abkühlung sorgen sollen, zeigt auch der geplante Hybridpark zwischen Maarweg und Stolberger Straße, für den Köln rund 1,8 Millionen Euro investiert.
Plätze sollen entsiegelt und begrünt werden
Ein weiterer Baustein trägt den Namen „Kühle Stadtplätze“. Dafür sollen bestehende Stadt- und Veedelsplätze umgestaltet werden. Versiegelte Flächen können dabei geöffnet, Bäume und andere Pflanzen ergänzt und neue Grünflächen geschaffen werden.
Das Ziel: Asphalt- und Steinflächen sollen sich im Sommer weniger stark aufheizen und Regenwasser soll besser aufgenommen werden können.
Die Stadt möchte damit nicht ausschließlich neue Grünflächen schaffen. Auch bereits vorhandene Plätze und Straßenräume sollen so verändert werden, dass dort an heißen Tagen angenehmere Temperaturen entstehen. Wie stark zusätzliche Bäume und Grün bekannte Kölner Orte verändern könnten, haben wir bereits in unserem Beitrag So sähen bekannte Kölner Orte mit mehr Grün aus gezeigt.
Wassernebel soll an heißen Tagen für Abkühlung sorgen
Besonders ungewöhnlich ist ein weiterer Bestandteil des Konzepts. Köln möchte künftig Elemente einsetzen, die fein zerstäubtes Wasser in die Umgebung abgeben. Durch die Verdunstung entsteht unmittelbar vor Ort ein kühlender Effekt.
Ganz neu ist die Idee in Köln nicht. Mit „Cooling Cologne“ testet die Stadt bereits seit einigen Jahren Möglichkeiten, öffentliche Räume an besonders heißen Tagen mit Wasser zu kühlen. Im Sommer 2026 wurden beispielsweise auf dem Rudolfplatz entsprechende Systeme eingesetzt: Warum die Stadt Köln den Rudolfplatz einnebelt, erklären wir hier
Inzwischen testet die Stadt auch Wassernebellanzen. Dabei müssen unter anderem Fragen zur Wasserhygiene und zum dauerhaften Betrieb geklärt werden. Das neue Klimaanpassungskonzept sieht nun vor, solche Vernebelungselemente grundsätzlich als festen Bestandteil der Klimaanpassung weiterzuentwickeln.
Das könnte bedeuten, dass derartige Anlagen künftig an besonders stark aufgeheizten Plätzen oder anderen öffentlichen Orten eingesetzt werden.
Auch neue kleine Wälder sind geplant
Zusätzlich soll das Netz sogenannter Waldinseln in Köln erweitert werden. Dabei werden auf vergleichsweise kleinen Flächen besonders dicht Bäume und Sträucher gepflanzt. In Köln gibt es bereits mehrere solcher Flächen, unter anderem in Poll, Ehrenfeld und Mülheim.
Gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald möchte die Stadt nun ein stadtweites Netz solcher Waldinseln aufbauen. Sie sollen Schatten schaffen, die Umgebungstemperatur senken und gleichzeitig neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.
Insgesamt sind rund 150 Millionen Euro vorgesehen
Für die verschiedenen Klimaanpassungsmaßnahmen geht die Stadt derzeit von Gesamtkosten von rund 150 Millionen Euro aus. Einen großen Teil davon möchte Köln nicht aus dem normalen städtischen Haushalt finanzieren.
Nach Angaben der Stadt werden aus dem Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz voraussichtlich rund 104 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Zusätzlich sollen weitere Förder- und Drittmittel eingesetzt werden.
Die rund 150 Millionen Euro entfallen allerdings nicht ausschließlich auf Pocket Parks und Wassernebelanlagen. Das Geld soll in ein größeres Paket unterschiedlicher Maßnahmen zur Klimaanpassung fließen.
Dazu können neben neuen Grünflächen beispielsweise Entsiegelung, Stadtbegrünung, Waldinseln sowie bereits geplante Stadtentwicklungsprojekte gehören.
Auch die Parkstadt Süd beziehungsweise die Verlängerung des Inneren Grüngürtels Richtung Rhein wird im Zusammenhang mit dem Investitionsprogramm genannt.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Wo genau entstehen die neuen Pocket Parks?
Diese Frage lässt sich derzeit noch nicht mit einer fertigen Standortliste beantworten.
Das Klimaanpassungskonzept enthält eine sogenannte Hotspotkarte. Darin wurden Bereiche der Stadt identifiziert, die besonders stark beispielsweise von Hitze oder Starkregen betroffen sind.
Diese Analyse soll nun die Grundlage dafür bilden, wo zuerst gehandelt wird.
Für die Pocket Parks nennt die Stadt ausdrücklich zwei Kriterien:
- besonders hohe Hitzebelastung
- gleichzeitig eine schlechte Versorgung mit Grünflächen
Damit dürften vor allem dicht bebaute Quartiere in den Blick geraten. Konkrete Straßen oder Grundstücke sollen jedoch erst im nächsten Planungsschritt festgelegt werden.
Ein neuer Aktionsplan soll die konkreten Projekte festlegen
Denn mit dem jetzigen Klimaanpassungskonzept entscheidet der Rat zunächst über den strategischen Rahmen. Anschließend soll ein „Integrierter Aktionsplan Klimaanpassung“ erstellt werden.
In diesem Aktionsplan wird es deutlich konkreter: Maßnahmen sollen räumlich zugeordnet, priorisiert und zeitlich geplant werden.
Dabei sollen auch die neun Kölner Bezirksvertretungen beteiligt werden. Sie können ihre Kenntnisse über die Situation in den einzelnen Stadtteilen und Veedeln einbringen.
Die jeweiligen konkreten Projekte müssen anschließend – abhängig von Größe und Zuständigkeit – erneut von den zuständigen politischen Gremien beschlossen werden.
Was jetzt als Nächstes passiert
Der politische Ablauf sieht derzeit so aus: Am 24. September 2026 wurde das Klimaanpassungskonzept im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün vorgestellt beziehungsweise in den Beratungsgang eingebracht.
Anschließend beschäftigen sich unter anderem die Bezirksvertretungen mit dem Konzept. Die endgültige Entscheidung über das IKA Köln soll nach aktuellem Zeitplan der Rat der Stadt Köln am 10. Dezember 2026 treffen.
Erst danach beginnt die schrittweise Konkretisierung der einzelnen Maßnahmen.
Für einen neuen Pocket Park bedeutet das beispielsweise: Mit dem Beschluss im Dezember steht noch nicht automatisch fest, dass im Frühjahr an einem bestimmten Platz die Bauarbeiten beginnen. Standort, Planung, Kosten und Zuständigkeiten der einzelnen Projekte müssen anschließend konkretisiert werden.
Warum Köln das Programm auflegt
Grundlage der Pläne ist eine Analyse der Klimabelastung im gesamten Stadtgebiet.
Bereits im Juni 2023 hatte der Kölner Rat die Verwaltung beauftragt, eine gemeinsame Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu entwickeln. Dabei geht es neben Hitze auch um Trockenheit, Starkregen und Hochwasser.
Nach Angaben der Stadt gehört Köln aufgrund seiner Lage in der Kölner Bucht schon heute zu den Regionen mit vergleichsweise hohen Durchschnittstemperaturen. Gleichzeitig heizen sich dicht bebaute und stark versiegelte Bereiche deutlich stärker auf als begrünte Flächen.
Das neue Konzept soll deshalb nicht nur einzelne Projekte sammeln. Klimaanpassung soll künftig bereits bei der Planung von Gebäuden, Straßen, Plätzen und neuen Quartieren stärker berücksichtigt werden.
Für die Kölnerinnen und Kölner dürften allerdings vor allem die sichtbaren Maßnahmen interessant werden: mehr kleine Grünflächen, umgestaltete Plätze, neue Waldinseln und möglicherweise künftig Wassernebel an besonders heißen Orten der Stadt.
- Wie groß die Unterschiede innerhalb Kölns bereits heute sind, zeigt ein Blick auf das Stadtklima: In Tropennächten kann es in der Innenstadt bis zu zehn Grad wärmer sein als in weniger dicht bebauten Bereichen.“
- Wer an heißen Tagen schon heute Abkühlung sucht, findet außerdem in einer interaktiven Karte kühle Orte in Köln


