In Köln werden in den kommenden Wochen neue stationäre Blitzer an zwei wichtigen Verkehrsachsen eingerichtet. Betroffen sind die A4 im Bereich Eifeltor sowie die Verbindung zwischen A57 und Innenstadt rund um den Herkulestunnel.
Vor allem die Zahlen aus dem Bereich des Herkulestunnels sind auffällig. Bei Messungen waren dort Tausende Fahrzeuge mit mehr als 100 km/h unterwegs, obwohl Tempo 50 galt. Ein Fahrzeug wurde sogar mit 220 km/h erfasst. Die Stadt Köln begründet die neuen Anlagen mit der Verkehrssicherheit.
Neue Blitzer auf der A4 am Eifeltor
Auf der A4 wird die Geschwindigkeitsüberwachung im Bereich Eifeltor ausgeweitet. Konkret geht es um den Abschnitt vor der Anschlussstelle Köln-Klettenberg in Fahrtrichtung Olpe.
Dort entsteht im Zusammenhang mit einer Schrankenanlage eine neue Verkehrsführung. Hintergrund ist der Schutz des Brückenbauwerks Eifeltor. Die bisherige Durchfahrtskontrolle mit einem sogenannten Silhouetten-Blitzer hatte nach Angaben der Autobahn GmbH nicht den erhofften Erfolg.
Auf dem Abschnitt soll künftig bereits im Vorlauf der Schrankenanlage die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h kontrolliert werden. Aufgrund der straßenbaulichen Engpässe wird der Bereich als Gefahrenstelle eingestuft.
Zwei Messsäulen für drei Fahrspuren
Für die Kontrolle sind zwei Messsäulen notwendig.
Eine Anlage überwacht die rechte und die mittlere Fahrspur. Für die linke Fahrspur wird eine zweite Messsäule im Mittelstreifen der A4 errichtet. Eine einzige Anlage kann an dieser Stelle technisch nicht alle drei Fahrspuren erfassen.
Die Stromversorgung erfolgt über die Netzstromanlage der neuen Schrankenanlage.
Die Blitzer sollen voraussichtlich Ende September 2026 in Betrieb gehen. Zunächst werden sie bis Ende Februar 2027 gemietet. Die Kosten für alle Komponenten liegen bei rund 49.600 Euro brutto.
Neue Blitzer rund um den Herkulestunnel
Auch im Bereich des Herkulestunnels wird künftig stationär geblitzt.
Der 350 Meter lange Tunnel liegt auf der sogenannten Kreisstraße 4 und verbindet die Kölner Innenstadt mit der A57. Bis 2013 galt dort Tempo 80. Wegen fehlender Sicherheitstechnik wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit anschließend auf 50 km/h reduziert. Im Zuge einer Generalsanierung soll die Tunnelausrüstung künftig an die heutigen Sicherheitsstandards angepasst werden.
In dem Bereich kam es zuletzt immer wieder zu schweren Unfällen. Innerhalb von zwölf Monaten ereigneten sich zwei tödliche Verkehrsunfälle, bei denen stark überhöhte Geschwindigkeit als Ursache angenommen wird.
Direkt an der A57 steht auch eines der markantesten Hochhäuser Kölns: Hier lest ihr die Geschichte des Herkules-Hochhauses.
Fast 77 Prozent zu schnell Richtung Innenstadt
Wie groß das Problem ist, zeigen Messungen der Stadt Köln. Zwischen dem 25. Februar und dem 6. März 2026 wurden in Fahrtrichtung Innenstadt 250.168 Fahrzeuge erfasst. Davon waren 192.380 Fahrzeuge zu schnell. Das entspricht einer Verstoßquote von 76,9 Prozent.
Besonders auffällig: 18.177 Fahrzeuge fuhren schneller als 100 km/h, obwohl in diesem Bereich Tempo 50 gilt. Der höchste gemessene Wert lag bei 206 km/h. Auch die sogenannte V85 zeigt das hohe Geschwindigkeitsniveau: 85 Prozent der Fahrzeuge fuhren höchstens 84 km/h – damit lag ein großer Teil des Verkehrs deutlich über den erlaubten 50 km/h.
Mehr als 31.000 Fahrzeuge mit über 100 km/h Richtung A57
Noch höher war die Verstoßquote in der Gegenrichtung. Auf dem Abschnitt hinter dem Herkulestunnel in Richtung A57 wurden zwischen dem 14. und 20. Juli 2026 insgesamt 188.920 Fahrzeuge gemessen.
Davon waren 165.494 zu schnell. Das entspricht einer Quote von 87,6 Prozent. 31.382 Fahrzeuge waren schneller als 100 km/h. Das sind 16,6 Prozent aller gemessenen Fahrzeuge. Die höchste Geschwindigkeit lag bei 220 km/h.
Allerdings ist hier eine wichtige Einordnung nötig: Auf diesem Abschnitt galt bis Anfang Juli 2026 noch Tempo 100. Wegen Straßenschäden wurde die zulässige Geschwindigkeit anschließend auf einem rund 300 Meter langen Abschnitt zwischen Herkulestunnel und Beginn der A57 auf 50 km/h reduziert.
Hier stehen die neuen Blitzer
Die Standorte wurden gemeinsam mit der Direktion Verkehr der Polizei Köln festgelegt.
In Fahrtrichtung A57 entsteht die Messstelle auf Höhe der Ausfahrt Ehrenfeld. Direkt im Tunnel kann dort aus baulichen Gründen keine Anlage aufgestellt werden. In Richtung Innenstadt wird der Blitzer am Tunneleingang installiert. Der Standort am Tunneleingang soll zusätzlich mit Schutzplanken gesichert werden.
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Eine Besonderheit gibt es bei der Stromversorgung. Da an den beiden Standorten bislang nicht sicher feststeht, ob eine feste Stromversorgung eingerichtet werden kann, werden die Anlagen zunächst über Brennstoffzellen betrieben.
Die Brennstoffzellen sowie die Messanlagen werden vorerst bis 28. Februar 2027 gemietet. Sollte früher eine dauerhafte Stromversorgung möglich sein, kann der Mietvertrag vorzeitig beendet werden. Die Gesamtkosten für Messsysteme und Stromversorgung liegen bei rund 149.000 Euro brutto für sechs Monate. Darin enthalten sind unter anderem Planung, Aufbau, Wartung, Eichung, Reparaturen, Versicherungen und Ersatzgeräte.
Die Inbetriebnahme ist für Anfang des vierten Quartals 2026 geplant.
Unfallkommission unterstützt die neuen Messanlagen
Auch die Unfallkommission Köln hat sich für die stationären Blitzer ausgesprochen. In dem Gremium sind unter anderem Polizei Köln, Bezirksregierung Köln, Straßen.NRW und die Stadt Köln vertreten. Die Kommission befürwortete die neuen Messanlagen in beiden Fahrtrichtungen ausdrücklich.
Mit den neuen Standorten wird die stationäre Geschwindigkeitsüberwachung in Köln damit gleich an zwei stark frequentierten Verkehrsachsen deutlich ausgeweitet.


