Wer hier steht und aus Köln kommt, dem kommen sehr plötzlich viele Dinge bekannt vor. Am Rheinufer in Koblenz steht ein riesiger Bau, der dem Kölner Dom Hotel verblüffend ähnlich sieht. Die großen Rundbögen, darüber die Fenster und auch die Farbe der Steine. Der monumentale Komplex in Koblenz ist ähnlich im Stil eine Grand Hotels aufgebaut, wie sein Zwilling auf dem Kölner Roncalliplatz.
Die Hotels sind nicht baugleich und haben unterschiedliche Architekten. Dennoch gibt es viele Parallelen. Sie stammen aus ähnlichen Epochen. Und aktuell stehen beide leer. Der Unterschied: Während das Dom Hotel in Köln nach mehr als einem Jahrzehnt Leerstand und Umbau nun endlich eröffnen soll, ist das ehemalige Grand Hotel Koblenzer Hof von einem Bauzaun umringt. Aktuell passiert an dem Gebäude, das Teil des UNECSO-Welterbe Mittelrheintal ist, nichts.
Von einem Kölner erbaut
Errichtet wurde der Koblenzer Hof 1912 und 1913 nach Plänen des Kölner Architekten Heinrich Müller-Erkelenz. Der Name des Hauses lautete zunächst Grand-Hotel Esplanade-Bellevue. Weil der französisch klingende Name auf Widerstand stieß, wurde daraus schon im Eröffnungsjahr das Hotel Koblenzer Hof.
Ein Grandhotel am Rhein
Wer vor dem Gebäude am Konrad-Adenauer-Ufer steht, erkennt sofort, dass hier nicht irgendein Zweckbau geplant wurde. Der Koblenzer Hof sollte wirken. Zusammen mit dem benachbarten Preußischen Regierungsgebäude bildet er bis heute ein prägendes Ensemble am Rheinufer.
Der langgestreckte Bau ist fünfgeschossig, besitzt eine stark gegliederte Fassade und eine zweigeschossige Veranda. Im Erdgeschoss ziehen sich Arkaden mit polygonalen Pfeilern entlang, an den Seiten befinden sich abgerundete Eckbauten.
Vieles davon kommt einem aus Köln sehr bekannt vor. Nicht, weil der Koblenzer Hof ein direkter Zwilling des Dom-Hotels wäre. Das historische Kölner Dom-Hotel wurde von Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim geplant.
Aber beide Gebäude erzählen von derselben Epoche: einer Zeit, in der Hotels nicht nur Übernachtungsorte waren, sondern städtische Visitenkarten.
Krieg, Wiederaufbau, Behördennutzung
Wie so viele große Gebäude am Rhein wurde auch der Koblenzer Hof im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Vor allem Dach und Innenräume traf es stark. Nach dem Krieg wurde das Gebäude nur vereinfacht wiederaufgebaut.
Die ursprüngliche Dachlandschaft, Rundtürme und ein Dreiecksgiebel gingen verloren oder wurden nicht wiederhergestellt – auch hier gibt es eine verblüffende Parallele zum Kölner Dom Hotel, das nach dem Krieg ebenfalls ohne Türme wieder aufgebaut wurde.
Aus dem Grandhotel in Koblenz wurde später ein Behördenstandort. Das neu gegründete Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zog in das Gebäude und in das benachbarte Preußische Regierungsgebäude. Heute gehört der Komplex zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw.
Der größte Teil des früheren Hotels kann seit vielen Jahren nicht genutzt werden. Am 9. Dezember 2011 musste der Koblenzer Hof kurzfristig geräumt werden. Der Grund: Einsturzgefahr. Das Gebäude ruht auf einer Stahlkonstruktion, die als problematisch gilt. Seitdem liegt ein großer Teil des einstigen Grandhotels brach.
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Immer wieder wurde in Koblenz darüber gesprochen, ob der Koblenzer Hof zu seiner ursprünglichen Nutzung zurückkehren könnte. Ein Fünfsterne-Hotel am Rheinufer – diese Idee lag nahe. Die Lage ist herausragend, die Geschichte stark, die Fassade denkmalgeschützt. Doch daraus wurde bislang nichts.
Ein wichtiger Grund: Das Gebäude ist räumlich und technisch mit Nachbarbauten verbunden, die weiterhin von der Bundeswehr genutzt werden. Zudem wären die Kosten einer Sanierung erheblich. Allein für die statische Sicherung wurden in der öffentlichen Diskussion hohe Millionenbeträge genannt.

➡️ Zwischendurch sah es so aus, als könnte die Behörde ausziehen und den Weg für eine Hotelnutzung frei machen. Später wurden diese Pläne wieder verworfen.
Stattdessen soll der Koblenzer Hof weiter durch das BAAINBw genutzt werden. Damit ist die Rückkehr als Hotel vorerst vom Tisch.
Das alte Gebäude soll künftig als Büroimmobilie genutzt werden. Dafür muss es aber hergerichtet werden. Wann das passieren wird, ist aktuell noch offen. So lange steht das monumentale Gebäude am Rheinufer leer, währenddessen in Köln das Dom Hotel bald wieder im alten Glanz eines 5-Sterne-Grand Hotels eröffnet.



