Mit der genehmigten Rheinwassertransportleitung sollen in den kommenden Jahrzehnten die Tagebauseen Hambach und Garzweiler gefüllt werden. Ende Januar hat RWE grünes Licht für den Bau des Mega-Projekts erhalten. Kernfrage dabei: Wie viel Wasser darf dem Rhein tatsächlich entnommen werden? Die Antwort ist klar geregelt – technisch, hydrologisch und rechtlich.
Entnahme richtet sich nach Wasserstand
Die Rheinwasserentnahme erfolgt nach einem gestaffelten Entnahmekonzept, das sich am Wasserstand des Rheins am Pegel Düsseldorf orientiert. Maßgeblich ist der sogenannte gleichwertige Wasserstand (GlW) – der Pegel, bei dem die für die Schifffahrt notwendige Fahrrinnentiefe noch gewährleistet ist. Hier ist aufgelistet, wie viel Wasser wann entnommen werden darf.
| Situation am Rhein | Zulässige Entnahme |
|---|---|
| Niedrigwasser | nur Versorgung von Feuchtgebieten: 1,8 m³/s |
| Ab Erreichen des GlW | 5 m³/s möglich |
| Mit steigendem Pegel | schrittweise höhere Mengen |
| Ab GlW + 211 cm | Maximal 18 m³/s (volle Leitungskapazität) |
Ist der Pegel höher als 211 Zentimeter, dürfen 18.000 Liter pro Sekunden aus dem Rhein abgezweigt werden. Das entspricht 100 bis 150 Badewannen pro Sekunde. Der Rheinpegel selbst soll dadurch nur minimal beeinträchtigt werden und zwischen 0,4 und 2,4 Zentimeter sinken.
Die Schifffahrt darf laut Konzept zu keiner Zeit beeinträchtigt werden.
Technische Eckdaten der Leitung
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Länge der Transportleitung | ca. 45 km |
| Bauzeit | rund 5 Jahre |
| Max. Entnahmeleistung | 18 m³ pro Sekunde |
| Mittlerer Rheinabfluss (deutsch-niederländische Grenze) | ca. 2.300 m³/s |
| Einfluss auf den Rheinpegel | –0,4 bis –2,4 cm |
Wie viel Wasser ist das im Jahr?
Die mögliche Jahresmenge hängt vom Wetter und den Wasserständen ab. Eine Auswertung des Landesumweltamtes auf Basis historischer Daten und Klimamodellen kommt zu folgenden Größenordnungen:
| Zeitraum / Szenario | Mögliche Entnahme |
|---|---|
| Referenz (1971–2000) | 339 Mio. m³ pro Jahr |
| Trockene Phase 2011–2020 | 320 Mio. m³/Jahr |
| Klimaszenarien Zukunft | 302 – 380 Mio. m³/Jahr |
Die Schwankungsbreite liegt damit bei etwa –12 % bis +7 % gegenüber früheren Durchschnittswerten. Entscheidend ist, dass ein Großteil der Jahresmenge an Tagen mit hohen Wasserständen entnommen wird. Winterliche Niederschläge können trockene Sommer teilweise ausgleichen. Anl._1_zu_TOP_3_Bericht_Auswirk…
Einordnung der Maximalentnahme
Die höchste mögliche Entnahme von 18 m³ pro Sekunde entspricht:
- rund 0,8 Prozent des mittleren Rheinabflusses
- einer Pegelabsenkung von wenigen Millimetern bis maximal 2,4 cm
Bedeutung für die Seenbefüllung
| Punkt | Bewertung |
|---|---|
| Geplante Befüllzeit | ca. 40 Jahre |
| Nur mit Grundwasser | über 100 Jahre |
| Einfluss des Klimawandels | geringe Abweichungen |
| Risiko | mögliche Verlängerung um wenige Jahre bei anhaltender Trockenheit |
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Rheinwassermenge nach heutigem Stand ausreicht, um die geplante Seenbefüllung innerhalb der vorgesehenen Zeiträume zu ermöglichen. Eine kontinuierliche Beobachtung der Wasserentwicklung bleibt jedoch erforderlich.
Die Rheinwasserentnahme ist also nicht fix, sondern an den Wasserstand gekoppelt. Maximal sind 18 m³ pro Sekunde erlaubt. Im Jahresmittel liegen die möglichen Entnahmemengen bei rund 300 bis 380 Millionen Kubikmetern.
Umweltschützer fordern 5 Cent pro Liter von RWE
Kritik an der Entnahme kommt von Umweltschützern. Sie forderten zuletzt, dass RWE für die Entnahme des Wasser nach Gesetz zahlen solle und ein entsprechendes Gutachten vorgelegt.
In der Vergangenheit hatte RWE erklärt, es gehe bei der Befüllung der Restlöcher um Maßnahmen, die behördlich angeordnet seien. Damit, so die Argumentation des Unternehmens, entfiele eine Zahlungspflicht nach dem Wasserentnahmeentgeltgesetz Nordrhein-Westfalen.
Dieses Gesetz sieht für Wasserentnahmen aus Flüssen und Seen ein Entgelt von 5 Cent pro Kubikmeter vor. Bei den für die Pipeline vorgesehenen Mengen könnten sich über die Betriebsdauer hinweg Zahlungen im Milliardenbereich ergeben.



