An Teilen der Kölner Zoobrücke sind umfangreiche bauliche Unterstützungsmaßnahmen erforderlich. Die Stadt will dafür rund 25 Millionen Euro bereitstellen. Betroffen sind mehrere Rampenbauwerke, in denen ein für Spannungsrisskorrosion anfälliger Spannstahl verbaut wurde. Die Arbeiten sollen Ende 2026 beginnen und die Nutzung der wichtigen Verkehrsverbindung bis zur späteren grundlegenden Sanierung sichern. Der Rat soll am 8. Oktober 2026 über die Finanzierung und Umsetzung entscheiden.
Bestimmter Spannstahl gilt als stark gefährdet
Die Zoobrücke und die angeschlossene Stadtautobahn B55a wurden zwischen 1962 und 1969 gebaut. Der gesamte Brückenzug ist rund 2,6 Kilometer lang und besteht aus mehreren Teilbauwerken. (Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0)
Bei den Abschnitten Z1 auf der linken Rheinseite und D auf der rechten Rheinseite wurde sogenannter Spannstahl vom Typ Sigma Oval 40 Quadratmillimeter verbaut. Dieser Stahl wird nach Angaben der Stadt auf Grundlage der Richtlinien des Bundesverkehrsministeriums und der Bundesanstalt für Straßenwesen als stark gefährdet im Hinblick auf Spannungsrisskorrosion eingestuft.
Bei dieser Form der Korrosion können Schäden am Spannstahl entstehen, ohne dass sie von außen frühzeitig am Beton sichtbar werden. Die betroffenen Abschnitte werden deshalb besonders untersucht und überwacht.
Nachweise konnten bei mehreren Rampen nicht erbracht werden
Die Stadt unterscheidet in ihrer Vorlage zwischen der Hauptrampe und mehreren Nebenrampen der Zoobrücke.
Die Hauptrampe verfügt über einen mehrzelligen Hohlkasten mit mehreren tragenden Stegen. Sollte dort eine einzelne Bewehrung ausfallen, könnten die Lasten nach Einschätzung der Fachleute teilweise auf andere Bereiche verteilt werden. Ob diese angenommene Lastverteilung tatsächlich funktioniert, wird derzeit mit weiterführenden wissenschaftlichen Berechnungsmethoden untersucht.
Die Ergebnisse für den rechtsrheinischen Abschnitt D werden nach Angaben der Stadt Ende 2026 erwartet. Anschließend soll der linksrheinische Abschnitt Z1 untersucht werden. Zusätzlich ist ein dauerhaftes Bauwerksmonitoring geplant. Damit sollen unter anderem mögliche Brüche einzelner Drähte oder Litzen erkannt und das tatsächliche Tragverhalten kontrolliert werden.
Anders sieht es bei den Auf- und Abfahrtsrampen aus. Diese besitzen in der Regel nur zwei tragende Stege. Fällt dort ein Spannglied aus, kann die Last nicht auf weitere Stege umgelagert werden.
Die Stadt schreibt in der Vorlage, dass die erforderlichen rechnerischen Standsicherheitsnachweise für diese Bereiche nicht erbracht werden konnten. Deshalb sollen die betroffenen Nebenrampen baulich unterstützt werden.
Arbeiten sollen Ende 2026 beginnen
Vor Beginn der Arbeiten müssen unter anderem vorhandene Leitungen untersucht, Baugrundprüfungen vorgenommen und mögliche Kampfmittel sondiert werden. Anschließend sollen zusätzliche Unterstützungskonstruktionen an den betroffenen Rampen errichtet werden.
Der Beginn dieser Arbeiten ist ab Ende 2026 vorgesehen. Die Maßnahmen sollen gewährleisten, dass die Zoobrücke bis zu ihrer späteren umfassenden Sanierung weiter sicher genutzt werden kann.
Die eigentliche Rheinquerung, die sogenannte Strombrücke, ist von der aktuell beschriebenen Spannungsrisskorrosion nicht betroffen.
Maßnahmen kosten rund 25 Millionen Euro
Für Planung, Vorbereitung und Bau kalkuliert die Stadt mit Gesamtkosten von etwa 25 Millionen Euro. Davon entfallen:
- 20,8 Millionen Euro auf die Bauarbeiten an den Abschnitten D und Z1
- 3,5 Millionen Euro auf Fachplanung und weitere Dienstleistungen
- 700.000 Euro auf Baunebenkosten
Für 2026 sind zunächst drei Millionen Euro vorgesehen. Weitere zwölf Millionen Euro sollen 2027, acht Millionen Euro 2028 und zwei Millionen Euro 2029 bereitgestellt werden.
Die Stadt begründet die Dringlichkeit mit den festgestellten statisch-konstruktiven Defiziten. Um die dauerhaft sichere Nutzung zu gewährleisten, müssten die baulichen Kompensationsmaßnahmen kurzfristig umgesetzt werden.
Anzeige: Aus dem Verliebt in Köln-Shop:Fahrbahnen und Abdichtungen müssen ebenfalls erneuert werden
Die Unterstützungen der Rampen sind nicht die einzigen anstehenden Arbeiten. Nach Angaben der Verwaltung weisen auch Fahrbahnbeläge und Abdichtungen in weiten Bereichen des Brückenzugs deutliche Schäden auf.
Betroffen sind die Teilbauwerke Z1, B, C, D und E. Die Beläge und Abdichtungen müssen voraussichtlich innerhalb der kommenden drei Jahre in erheblichem Umfang erneuert werden.
Die Stadt möchte diese Arbeiten möglichst mit den geplanten statischen Verstärkungen verbinden. Dadurch sollen Bauzeiten und mögliche Verkehrsbeeinträchtigungen reduziert werden. Für die weiteren Arbeiten sind jedoch noch eigene Beschlussvorlagen erforderlich.
Drohen Sperrungen auf der Zoobrücke?
Welche Fahrspuren oder Rampen während der Arbeiten zeitweise gesperrt werden müssen, geht aus der aktuellen Vorlage noch nicht konkret hervor. Erklärtes Ziel der Stadt ist es, größere Verkehrseinschränkungen bis zur späteren Gesamtinstandsetzung zu vermeiden.
Die Zoobrücke gehört mit mehr als 100.000 Fahrzeugen am Tag zu den wichtigsten Verkehrsverbindungen Kölns. Eine umfangreiche Sperrung hätte entsprechend große Auswirkungen auf den Verkehr im gesamten Stadtgebiet.
Die zulässige Höchstgeschwindigkeit bleibt vorerst bei 50 Kilometern pro Stunde. Nach den geplanten Verstärkungen soll der Brückenzug in die Brückenklasse 45 eingestuft werden. Damit können alle regulär nach der Straßenverkehrsordnung zugelassenen Fahrzeuge die Zoobrücke weiterhin nutzen. Ausgenommen sind genehmigungspflichtige Schwertransporte.
Grundlegende Sanierung erst nach 2040 geplant
Die nun geplanten Arbeiten sind noch nicht die vollständige Sanierung der Zoobrücke. Die Stadt Köln möchte ihre vier kommunalen Rheinbrücken nacheinander grundlegend instand setzen. Einen Überblick darüber, wann die vier Kölner Rheinbrücken saniert werden sollen, gibt es hier.
Wie aufwendig eine solche Maßnahme werden kann, zeigt die Sanierung der Mülheimer Brücke. Nach der derzeit laufenden Sanierung der Mülheimer Brücke soll zunächst die Severinsbrücke folgen. Deren Gesamtinstandsetzung ist ungefähr für die Jahre 2030 bis 2035 vorgesehen. Anschließend soll von etwa 2036 bis 2040 die Deutzer Brücke saniert werden.
Die Zoobrücke steht nach dem bisherigen Zeitplan erst nach 2040 an letzter Stelle. Die jetzt geplanten Unterstützungen, Verstärkungen und Erneuerungen sollen daher dazu beitragen, die Zeit bis zu dieser umfassenden Sanierung zu überbrücken.
Mit der Vorlage beschäftigen sich zunächst die Bezirksvertretungen Mülheim, Innenstadt und Kalk sowie der Mobilitäts- und der Finanzausschuss. Die endgültige Entscheidung soll der Kölner Rat am 8. Oktober 2026 treffen.
Der Kölner OB Torsten Burmester bezeichnete im Verliebt in Köln-Interview die Sanierung der Brücken als wichtigste Aufgabe in Köln.
Mehr über Kölns Brücken: Warum mehrere Rheinbrücken in einer besonderen Farbe gestrichen sind, erfahrt ihr im Artikel über das Kölner Brückengrün.


