Mitten in Köln: Die menschenleeren Kathedralen unter der Erde

Sonst drängen sich in diesen Tagen die Karnevalisten auf den Bahnsteigen. Nun sind sie gespenstisch leer. Das gilt besonders für die „neuen“ Bahnhöfe unter der Erde.

Wer am Chlodwigplatz die Treppen in die U-Bahn-Station hinabsteigt, sieht eine beeindruckende Kulisse: Die Beleuchtung ist imposant, die Treppen wirken riesig. Seit 2015 ist die Station in Betrieb.

Sie ist eine von mehreren großen U-Bahn-Stationen, die im Zuge der Nord-Süd-Fahrt gebaut wurden. Viele Kölner dürften sie aber noch nie zu Gesicht bekommen haben, sondern haben diese und andere neue U-Bahn-Stationen lediglich als endlose überirdische Baustelle in Erinnerung.

Das ist nicht weiter verwunderlich: Am Chlodwigplatz etwa fährt die Linie 17 bislang lediglich von Sürth bis zur Severinstraße. Eigentlich sollte die Linie 17 die Südstadt mit dem Hauptbahnhof verbinden.

Doch eine direkte Verbindung in die Stadt gibt es auch im Jahr 2020 noch nicht. Grund ist der Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009.

Foto: Sandra Thiele

Tipp: In unserem Newsletter senden wir dir 3x pro Woche (mittwochs, freitags, sonntags) kölsche Geschichten, kölsche Rätsel, eine Prise kölschen Humor und vieles mehr. Trag dich hier unverbindlich ein:

Man sieht es auch auf diesen Bildern. Was hier fehlt sind: Menschen. Die Zahl der täglichen Nutzer ist bislang überschaubar – was nicht weiter verwunderlich ist.

Die ohnehin geringe Zahl der Fahrgäste hat sich durch Corona noch einmal deutlich verringert. Die KVB haben in den ersten Corona-Monaten im März und April Monaten mehr als die Hälfte der Fahrgäste verloren.

Sobald der Weg zum Hauptbahnhof steht, dürfte die Anzahl der Fahrgäste sicher sprunghaft ansteigen. Bis dahin bleibt der U-Bahnhof am Chlodwigplatz mit dem Bahnsteig in 17 Metern Tiefe eine Art Geisterbahnhof.

Manche empfinden es als Oase der Ruhe. Anderen sind die leeren Bahnsteige unter der Erde unheimlich.

Die folgenden Bilder geben einen Eindruck von den Dimensionen der Haltestelle, deren unterirdischer Bahnsteig 90 Meter lang ist und 17,3 Meter unter der Erde liegt.

Foto: Sandra Thiele
Foto: Sandra Thiele
Foto: Sandra Thiele
Foto: Sandra Thiele
Foto: Sandra Thiele
Foto: Sandra Thiele

Die Bahnstation am Chlodwigplatz ist nicht die einzige neue unterirdische Haltestelle mit gewaltigen Dimensionen: Wer etwa am Heumarkt in die U-Bahn-Station kommt, hat den Eindruck, in eine unterirdische Kathedrale zu kommen, so gewaltig erscheint die riesige Fläche von der Rolltreppe aus:

Auch hier ist die Zahl der Fahrgäste überschaubar. Die angelegten Verkaufsflächen erscheinen für die bisherigen Menschen hier überdimensioniert. Zum Teil ist es gespenstisch still.

Hoffen wir, dass hier irgendwann Leben einkehrt.

Welche Erfahrung habt ihr bislang mit den neuen Kölner U-Bahn-Stationen gemacht? Schreibt uns eine E-Mail.

Anzeige: Aus unserem kölschen Shop

Kommentar schreiben

Hier kannst du einen Kommentar schreiben