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Die wahre Geschichte von Lehrer Welsch aus dem legendären Kayjass-Song, den die Bläck Fööss singen

Unsere Lehrer, dä heess Welsch,
sproch e unverfälschtes Kölsch
Un do hammer bei jeliehrt

Jeder Kölsche kennt diese Songzeilen aus dem Lied En D’r Kayjass Nummer Null, das die Bläck Fööss seit vielen Jahrzehnten singen. Lehrer Welsch ist deshalb bis heute in Köln eine Berühmtheit. (Foto: 1971markus@wikipedia.de / Cc-by-sa-4.0 // A.Savin CC BY-SA 3.0)

Tatsächlich beruht der Song auf einer wahren Geschichte, denn den Lehrer Heinrich Welsch gab es in Köln wirklich – allerdings nicht in der Schule in der Kayjass.

Zugleich zeigt die Geschichte dieses Liedes auch, wie die kölsche Musik nach dem Krieg von den Vätern von Thommy Engel und Hans Süper über Generationen vererbt wurde und auch im Jahr 2020 niemals langweilig wird. Doch der Reihe nach.

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Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf geboren. Ein kleiner Ort mit 300 Einwohnern südlich von Bonn. Der nächste größere Ort ist Meckenheim. In seinem späteren Leben unterrichtete er tatsächlich auch in Köln – allerdings nicht wie im Lied beschrieben in der Schule in der Kaygasse am Griechenmarkt.

Heinrich Welsch ging ins rechtsrheinische Köln-Kalk und gründete dort 1905 eine Hilfsschule für benachteiligte Kinder. Die Schule lag an der Hollweghstraße, die vor dem Stadtgarten Kalk von der Kalker Hauptstraße abgeht.

Die Gedenktafel an der Kaygasse. Foto: 1971markus@wikipedia.de / Cc-by-sa-4.0

Lehrer Welsch setzte sich also für sozial schwache und benachteiligte Kinder in Köln ein. Im Dezember 1938, drei Jahre nach seinem Tod, wurde das Lied „En d`r Kaygass Nummer Null” von der Kölner Straßensängergruppe „Drei Laachduve“ erfunden und komponiert. Die Mitglieder der Gruppe kannten ihn aus Kalk, versetzten ihn im Lied aber in die Kaygasse in der Altstadt Süd.

Die erstaunliche Karriere des Songs nach dem Krieg

Die Geschichte um den Song nimmt nun aber erst richtig Fahrt auf: Denn statt in der Versenkung zu verschwinden hat nach dem Krieg die damals bekannte Kölsche Band „Vier Botze“ das Lied gecovert. Kurios: Mitglieder bei den Vier Botze waren u.a. der Vater von Hans Süper, Hans Süper senior, und der Vater von Thommy Engel, Richard Engel.

Erst danach coverten auch die Bläck Fööss den Song und trugen die zeitlose Liebeserklärung an die Stadt so in unsere heutige Zeit weiter. Das Lied wurde also nicht nur durch kölsche Band-Generationen in die heutige Zeit getragen, sondern auch durch kölsche Musik-Familiengenerationen. Köln ist eben das größte im gemütlichste Dorf der Welt.

Das Grab von Heinrich Welsch und seiner Frau auf dem Kalker Friedhof. Foto: A.Savin CC BY-SA 3.0

Lehrer Welsch hat durch sein Engagement in Köln aber auch weitere Spuren in der Stadt hinterlassen: Seit 2004 wird der Lehrer Welsch Preis von der Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verliehen. In der Kaygasse steht eine Gedenktafel, die an die Geschichte erinnert und im rechtsrheinischen Köln-Flittard gibt es die Heinrich Welsch Schule.

Heinrich Welsch starb 1935 im Alter von 86 Jahren. Sein Grab – ein Ehrengrab der Stadt Köln – kann man auch heute noch auf dem Kalker Friedhof in Merheim besuchen. Sein Name aber lebt durch das Lied weiter. Und auch seine Geschichte und seine Taten werden so nicht vergessen.

Nä, nä, dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih,
Un dat hammer nit studiert.
Denn mer woren beim Lehrer Welsch en d’r Klass
Do hammer sujet nit jeliehrt.
Dreimol Null es Null es Null
Denn mer woren en d’r Kayjass en d’r Schull
Dreimol Null es Null es Null
Denn mer woren en d’r Kayjass en d’r Schull

Habt ihr Lieder, mit denen ihr eine besondere Geschichte verbindet? Schreibt uns eine E-Mail, wir freuen uns über jede Nachricht.

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Kommentare

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  • Die vier Botze spielten gerne auf den Hinterhöfen in der Südstadt, wo ich anfangs der 50er Jahre bei meiner Omal lebte. Ich durfte dann etwas Kleingeld (e paar Jrosche)in Zeitungspapier gewickelt, aus dem Fenster werfen. Daran kann ich mich erinnern.

  • In Memoriam Hermann Kläser
    Ich habe einen der 3 Laachduve noch persönlich kennen gelernt und später leider auch Ende der 70er Jahre zu Grabe getragen. Sein Name war Hermann Kläser und wir waren beide Mitglieder im Kreis rheinischer Karnevalisten. Hermann trat noch bis ins hohe Alter als Laachduv mit Liedern und Gitarre auf den Karnevalsbühnen auf. Und seine Vorträge endeten stets damit, dass er voller Stolz sagte: “Ich ben d’r Vatter vun d’r Kayjass”.