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Die Geschichte des fröhlichen Leierkastenmanns aus der Schildergasse

Er gehört zu Köln, wie der Dom. Er hat den Status eines kölschen Originals, obwohl er gebürtiger Ostwestfale ist. Mehr Anerkennung geht eigentlich nicht. (Fotos: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons) / Fritz Müller)

Wer in Köln jemals auf Hohe Straße oder Schildergasse unterwegs war, der kennt auch Werner Wittpoth. Er ist der fröhliche Leierkastenmann mit dem Zylinder, dessen Musik man direkt im Ohr hat, wenn man an die Klangkulisse der Schildergasse denkt.

Viele Kölner kennen ihn seit ihrer Kindheit: „In der Regel spiele ich mit meinen Drehorgeln in den Fußgängerzonen zwischen Köln und Aachen. Am häufigsten findet man mich auf der Kölner Schildergasse oder rund um den Dom in Aachen“, schreibt er auf seiner Homepage.

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Foto: Fritz Müller

In Zeiten, in denen sich die große Einkaufsstraßen und der Einzelhandel radikal verändern, war er immer eine Konstante: Er war immer da. Seine Musik war vertraut. Er war immer freundlich und fröhlich. Und sein gesellschaftliches Engagement ist bemerkenswert.

Nach Köln ist Werner Wittpoth bereits in seiner Kinderheit gekommen, besuchte die „Rheinische Landesschule für Körperbehinderte“. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist contergangeschädigt und setzt sich als Landesvorsitzender des Contergan-Netzwerks in NRW dafür ein, anderen Geschädigten zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben in Würde leben zu können.

Bis zu 160 Pfeifen und 48 Tonstufen

Seine Drehorgeln besitzen bis zu 160 Pfeifen und zwischen 37 und 48 Tonstufen. Die Musik läuft elektronisch, betrieben werden muss die Drehorgel aber von Hand.

Vielleicht ist euch auch aufgefallen, dass er sich beim Kurbeln der Orgel auf- und ab bewegt. Der Grund hierfür ist sein fehlendes Schultergelenk. Für ihn ist deshalb voller Körpereinsatz gefragt, wenn er in der Fußgängerzone steht: „Für mich ist das relativ anstrengend“, sagte er einmal der Kölnischen Rundschau.

An Köln schätzt er „die Toleranz, die Aufgeschlossenheit, die Fröhlichkeit und das Unkomplizierte“, wie er im Gespräch mit dem Fotografen Daniel Zakharov erzählte.

„Ein Mensch, den man nur bewundern kann“

Die persönliche Note in der Kölner City habe in den vergangenen Jahren jedoch abgenommen, findet er. Dabei könnte gerade das der Punkt sein, der die Einkaufsstraßen auch in Zukunft attraktiv macht:

„Wenn es da keine Straßenmusik und keine Cafés gibt, dann ist die Stadt leer, kalt und uninteressant. Man muss also ein Erlebnis schaffen, damit die Leute noch in die Stadt kommen und sich die Sachen angucken,“ sagt er ebenfalls mit Daniel Zakharov über die Einkaufsstraßen der Zukunft, vor allem in Zeiten von Amazon.

Für viele Kölner ist er ein Teil der Einkaufsstraße, den sie nicht missen möchten: „Ein Mensch, den man nur bewundern kann. Trotz seiner Lebenssituation hat er Freundlichkeit und Humor behalten“, schreibt Johannes in unserer Foto-Gruppe auf Facebook über ihn.

Vielleicht sollte es mehr Menschen wie ihn geben: Die sich ihre Fröhlichkeit bewahren, sich für andere einsetzen und der Stadt und den Menschen etwas geben.

Welche weiteren kölschen Originale und Menschen kennt ihr, die einfach zu Köln dazugehören? Schreibt uns eine E-Mail. Wir freuen uns über jede Nachricht.

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Kommentare

Hier kannst du einen Kommentar schreiben

  • Ich kenne Werner Wittpoth aus meiner Jugendzeit in Aachen. Auch da gehört er einfach dazu. Umso mehr habe ich mich gefreut, ihm später auch mal in Köln zu begegnen.

  • Ich liebe seit Kindesbeinen Willy Millowitsch und Tünnes und Scheel
    Habe beide Denkmale schon besucht und natürlich fotografiert